Mrz 17 2007

Published by at 3:01 pm under dans l'eau

Klimakatastrophe hinten und Klimakatastrophe vorne schon jetzt zeichnet sich ab, dass mans langsam nicht mehr hören kann oder will: Too much.

Wer hielte dieses tägliche Drücken aufs Gewissen auch längerfristig aus?

Nachrichten, die eher Vorrichten sind: Wir wissen nicht genau wie es sein wird, aber sicher ist: Es wird nicht gut sein.

Ein Thema wird totgeritten.

Wie alle anderen zuvor; Waldsterben (man erinnert sich?!) oder was immer: drei vier Wochen, dann ist es durch und das nächste muss her.

Mal abgesehen, dass wir Mülltrenner uns jetzt nicht mehr trauen – oder trauen sollen – in Urlaub zu fliegen, stellt sich mir eine andere Frage:

Wie muss diese Massierung mit dem selbst in jeder Tiersendung im Fernsehen an die Wand gemalten Teufel

AUF (unsere viel zu wenigen, wie uns schon eingebläut wurde) KINDER WIRKEN?

Was tut das an Kinderseelen:

Die Erde stirbt sehr bald – den Hitzekollaps, die Hälfte der Tiere und Pflanzen wird aussterben, es wird Dürren und Überschwemmungen und Kriege ums Wasser geben?

Macht sich darüber irgendjemand Gedanken?

Mir ist das noch nicht aufgefallen.

Wie muss es sein, damit aufzuwachsen?

Wie wäre es, wenn man sich darüber mal Gedanken machte?

Und nach Alternativen oder Lösungen suchte.

Könnte man nicht konkrete Angebote machen: Das könnt ihr tun?

Es geht doch den Erwachsenen genauso: Druck auf die Moraldrüse und dann? Was bringt das schlechte Gewissen? Was helfen die Verweise auf Politiker, die es richten sollen oder die Großindustrie?

Gibt es nichts Sinnvolles, das jeder tun kann und sei es nur um der seelischen Gesundheit willen?

7 responses so far

7 Responses to “”

  1. wolf-dieter sagt:

    Unter dem Stichwort “Ablasshandel” diskutiert Martin in seinem Blog das Für und Wider des Emissionshandels.

    Der gemeinnützige Verein “COOL – Verein zur Verminderung von Kohlendioxid in der Atmosphäre e.V.” versucht den wachsenden Co2-Ausstoß dadurch zu bekämpfen, dass er die ökologische Pflanzung tropischer Wälder fördert. U.a. zu diesem Zweck betreibt der Verein eine Internetseite (http://www.co2ol.de), über die man unterschiedliche Produkte kaufen kann. Die Provision, die der Verein für von ihm vermittelte Einkäufe erhält, werden für Aufforstungsprojekte eingesetzt.

    Ein gelungener Ansatz, der Konsum und Ökologie nicht als unvereinbare Gegensätze behandelt.

    Im Blog von Henning Schüring findet man ein WWF-Video zum Thema Klimawandel. Und im Satireblog gibt es eine Geschichte aus dem Jahre 2096 zu diesem Thema. Es geht auch anders, man muss sich nicht moralinsauer diesem Thema nähern.

  2. Helmut sagt:

    http://www.co2ol.de finde ich einen guten Tip.
    Aber für Kinder?
    Moralinsauer muss nicht sein, bringt ja auch nichts außer vielleicht das Gegenteil der Absicht. Dennoch: Manche Stellungnahmen und Aktionen bzw. Nicht-Aktionen können schon wütend machen – etwa die Haltung der USA -, aber man kanns auch kleiner haben. Ungesund ist sicher die Ohmacht dabei und das schlechte Gewissen, das allen gemacht wird, obwohl, wie man liest, nur 5% der Leute zur Kaste der Fliegenden gehören.
    Mir hätte vorgeschwebt, dass man Kindern kleine sinnvolle Sachen an die Hand gibt, die die Welt, sofern sies nötig hat, nicht retten werden, aber ihnen ein gutes Gefühl gibt, das etwas tun und einen kleinen Beitrag leisten zu können.
    Von den Schulen wird man ja vermutlich wenig erwarten dürfen. – Hatte letzte Woche ein Gespräch mit einer Klassenlehrerin, die meinte, dass es eine falsche, nämlich überzogene Erwartungshaltung sei, dass sie Kindern die eine Woche krank waren noch einmal kurz sagt, was durchgenommen wurde und was sie für die Arbeit – am folgenden Tag! – anschauen können. Dafür sei keine Zeit. – Die Zeit, in der sie mir erklärte, dass dafür keine Zeit sei, war eine Viertelstunde. – - -

  3. wolf-dieter sagt:

    Wahrscheinlich wird man die Schulen nicht ganz abschreiben dürfen. Dazu verbringen die Kinder zuviel Zeit darin und damit.
    In der Grundschule meiner Tochter gab es regelmäßige Aktionen für die Schüler, den Wald ums Schulgelände vom Müll zu säubern. Meine Tochter hat es nicht ungern gemacht. Absolut gesehen, ein kleiner Beitrag, aber als Gruppenerlebnis hat es nachhaltig gewirkt.
    Vor einiger Zeit, jetzt auf dem Gymnasium, haben die Schüler und Schülerinnen, den Lehrer gefragt, ob sie nicht mal im Klassenraum gründlich aufräumen können – incl. Fensterputz. Das ist nach meinem Verständnis keine Aufgabe fürs Klassenkollektiv, aber wenn sie als Gruppe Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen, könnte darin Potential für die Zukunft liegen.
    Von solchen Kalibern wie die Klassenlehrerin, von der Du schreibst, ist da als Impulsgeberin nicht viel zu erwarten.

  4. Helmut sagt:

    Es wäre ja begrüßenwert, wenn man die Schule nicht abschreiben BRÄUCHTE! –
    Ich finde solche Räumaktionen nicht schlecht – zwar räumen die Falschen weg, nämlich kaum die Verursacher, aber das kann doch das Bewußtsein und den Blick auf solche Sachen schärfen und darum gut sein.
    Ich denke oft, gerade im Frühjahr, beim Radfahren daran, wenn man sieht, was sich so alles an Müll in den Straßengräben, auch auf dem Land, angesammelt hat.
    Schöne wäre aber auch, wenn es in der Schule, bei den Lehrern ein Bedürfnis gäbe, so ein Thema zu sehen und im Unterricht mal anzusprechen oder aufzugreifen.
    Hier wurde in der Oberstufe der Al Gore-Film gezeigt, der vor kurzem in den Kinos lief. Ich habe ihn nicht gesehen. Aber ich habe gefragt, was er so transportierte. Meinem Eindruck nach kam an, dass es schimm steht – aber auch hier wurde meine Frage, ob Möglichkeiten gezeigt wurden, etwas Positives zu tun, negativ beantwortet.
    Was heißt das?
    Die Jugendlichen bekommen etwas Bedrückendes und Beängstigendes gezeigt – und werden damit allein gelassen.
    Diese Ohnmacht der Sache gegenüber mit gleichzeitigem Drücken auf die Moraldrüse kann ich nicht gut finden.
    In den Schulen würde es sich anbieten, etwa ein übergreifendes Projekt zu machen – Deutsch, Geschichte, Powi, Bio liessen sich leicht integrieren. – Aber die Lehrer sind gestresst und haben keine Zeit für solche Sachen. – Nun wurde diese Woche ja auch wieder öffentlich überlegt, dass diese G8-Sache doch nicht gut wäre…: Was für ein Schwachsinn! Zuerst blinder Aktionismus, alles wird hektisch umorientiert, dann merkt man, dass das doch nicht das Gelbe vom Ei war und erzeugt noch mehr Chaos. – Sinnvoller gewesen wäre, sich Zeit zu nehmen, ein ordentliches Gremium zu schaffen und erstmal zu sehen was man braucht und was man will, was es an guten, modernen Alternativen gibt und wie man diese umsetzt. – Aber die Politik(er) sind an ihre 4-Jahres-Rhythmen gebunden und die Kurzfristigkeit obsiegt.
    Ich finde mal Müll zu sammeln ist ok, noch besser wäre es, wenn man es mit entsprechenden Informationen verbindet o.ä., aber das letzte Wort kann es noch nicht sein.
    Die Schulen hinken aber auch in anderen Bereichen furchtbar hinterher: Was erfährt man ind er Schule über Wirtschaft? Auch ganz praktisch? – Ein Kahlschlag! Was zum Beispiel über Architektur? In der Regel so gut wie nichts. – Beides Themen, mit denen man täglich Umgang hat, auf die eine oder andre Weise. Die Liste liesse sich fortsetzen. – Da einfach die Schulzeit zu verkürzen und den Druck derart zu erhöhen, dass Kinder (es geht ja schon bis in die Kindergärten!) und Lehrer – Eltern auch – nur noch überfordert sind, ist Unsinn, ist kontraproduktiv. Es wäre sehr schön, wenn da im grösseren Maßstab etwas angeregt würde, das in eine andere Richtung wandert…?

  5. uwe sagt:

    hallo!

    am wochenende war ich in der ausstellung “cape farewell” auf kampnagel in hamburg, die sich dem thema kunst und klimawandel widmet. etwa zwanzig fotoserien, skulpturen, digitale kompositionen, videos, filme und klanginstallationen sind dort zu sehen, die von künstlern stammen, die zwischen 2004 und 2006 mit wissenschaftlern und umweltschützern an expeditionen zum nordpol teilgenommen haben. initiiert wurde das projekt von dem britischen fotografen david buckland, der in seinem verein “cape farewell” gleichgesinnte künstler mit dem ziel vereint, das bewußtsein für den weltweiten klimawandel mit künstlerischen mitteln zu schärfen.

    wie das gelingen könnte, zeigt die ausstellung auf eindringliche weise. die versammelten werke verbinden emotion mit information und künstlerischer anschauung. so vergegenwärtigt ein film das schmelzen eines eisberges, der alle 30 minuten mit einem ohrenbetäubenden getöse ins wasser stürzt. das skelett eines gestrandeten zwergwales bildet eine skulptur, das unter einer kruste von allaunkristallen kostbar schimmert; ein film zeigt als eine art nekrolog die künstler, wie sie den wal ausweiden, die knochen abkochen und wieder zusammenlegen. daneben sind fotos von lebensgroßen eisskulpturen zu sehen, die nach dem abdruck menschlicher körper entstanden und die nun als monolithe in einer eislandschaft stehen und mit der zeit verschwinden werden. eine komische und zugleich obszöne zeichnung eines bärenbauches mit hermaphroditischen geschlechtsmerkmalen will auf die durch umweltverschmutzung verursachten hormonellen störungen und genetischen defekte aufmerksam machen. in einem video versucht eine tänzerin mit einer vielzahl bedrohlicher, biegsamer stangen zurecht zu kommen, was ihr immer weniger gelingt und zuletzt geht sie in einem gewirr förmlich unter – eine choreographie, die die versklavung des menschen durch die entfesselte technik veranschaulichen will. andere künstler machen mit hilfe von eissärgen ein kilogramm kohlendioxid sichtbar oder halten auf fotos die atemberaubende schönheit der arktischen gletscherlandschaft fest.

    eine ausstellung, die auch für schulklassen von interesse sein dürfte. im internet können die lehrer sich material für den geographieunterricht abrufen. bei der nächsten expedition sollen sogar schüler mit an bord kommen. näheres siehe unter http://www.capefarewell.com .
    könnte so eine heranführung der kinder und jugendlichen an das thema erderwärmung und ihre folgen aussehen?

    grüße, uwe.

  6. Helmut sagt:

    Schönheit als Argument: Gefällt mir!
    Schüler aufs Schiff: Sehr gut!!
    Darwin und Forster sind auch als Jungspunte auf einem Schiff gestartet. Aber im Ernst: Ernst nehmen, zeigen, Erfahrungen machen lassen, so kann es gehen. Ein Bewußtsein und ein Gefühl wecken. Nicht durch lasche Apelle, sondern dadurch, dass man den ganzen kleinen Menschen anspricht. Aber natürlich kann nicht jeder mit aufs Schiff. Trotzdem: Eine gute Sache, finde ich.
    Die Kunst könnte unter Umständen auch ein Weg sein – müsste man mal beobachten. Gehen Kinder da hin, wie gehen sie damit um? Sind sie angesprochen?
    Die Stangen-Choreographie – ich habe sie nicht gesehen – wirkte vom Lesen auf mich etwas unnötig angestrengt. Da würde ich sagen: Braucht man das? Sieht man die Anstrengung nicht ohnehin, täglich? Aber ich hätte es sehen müssen, um darüber wirklich etwas zu sagen. Gute Fotos aber zum Beispiel – einfach die Schönheit vor Augen führen, das ist bestimmt ein guter Ansatz: Seht hin, das verlieren wir, wenn wir nichts sinnvolles unternehmen.

  7. uwe sagt:

    hallo!

    ja, kinder gehen in die austellung.
    es gab ein umfassendes rahmenprogramm, mit musikevents, theateraufführungen und podiumsdiskussionen. schulklassen wurden eigens eingeladen. das aufsichtspersonal konnte, wenn erwünscht, auskünfte geben, auch zu einzelnen exponaten. die künstlerischen arbeiten wurden zudem didaktisch aufbereitet, mit texten, die in aller gebotenen kürze, jedoch immer informativ, den kontext umrissen oder eine lesart vorschlugen. im internet konnte man infomaterial runterladen.

    resümee: gerade diese gelungene mischung aus emotional sowie intellektuell ansprechenden exponaten und der bereitstellung von sachinfos zum thema war es, was die ausstellung so überzeugend machte. in dieser kombination sehe ich auch die möglichkeit, jugendliche oder gar kinder anzusprechen: sensibilierung und identifiationsangebote schaffen.

    bei meinem fünfjährigen sohn hatte der besuch der ausstellung u. a. den effekt, daß er noch tage danach von dem gestrandeten wal erzählte oder über sein schicksal aufgeklärt werden wollte, oder aber eiswürfel in seinen warmen händen schmelzen ließ, oder morgens, statt mit seinem lieblingskuscheltier in unser bett zu stürmen, den schon lange in seiner übervollen kiste mit stofftieren hausenden kleinen eisbär in einem rollenspiel zu beleben.

    grüße, uwe.

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