Jun 12 2007

Fahrn fahrn fahrn

Published by at 9:58 am under sans l'eau

Wer eine längere Strecke auf einer deutschen Autobahn fährt, hat irgendwann das zweifelhafte Vergnügen, eine Raststätte oder einen Parkplatz mit Toilette aufsuchen zu müssen.
Die Raststätten sind uniforme, unsympathische Zweck- und Abzockmaschinen, bei denen man, und seis durch Automaten oder mit moralischem Druck – Person mit weißem Kittel, die in einem gekachelten Flur vor einer Schale mit Münzgeld sitzt – zum Obolus für sein Bedürfnis gezwungen wird. Ein richtig gutes Geschäft, wie eine Fernsehrecherche einmal ergab.
Die Toiletten der Parkplätze sind schlecht oder nicht gereinigte und stinkende Gelasse, in denen man durch Urinlachen waten muss und weder den Wasserhahn noch die Türklinke gummihandschuhlos anfassen möchte oder sich nach gründlicher Desinfektion sehnt.

Wenig überzeugende und erfreuliche Alternativen.
Man wäre froh, solche Nicht-Orte und ästhetische Zumutungen vermeiden zu können.
Ich weiß nicht warum sie so aussehen wie sie aussehen und ob es nicht anders ginge oder ob hier schon wieder etwas zu teuer ist in einem allem zum Trotz der reichsten Länder der Welt. – Das allerdings dürfte dann doch wohl nur für die Parkplätze gelten. Die Raststätten sind vermutlich Maschinen zum Geld drucken. Man muss sie ja anfahren, wenn man nicht die Autobahn verlassen will, was zeitraubend und umständlich ist.
Warum sind sie so hässlich und so wenig einladend, warum so teuer und das Essen so schlecht? Das plant und baut jemand so. Oder gefällt das allen so oder ist ihnen egal?
In der Schweiz sind die Parkplatztoiletten jedenfalls betretbarer.

6 responses so far

6 Responses to “Fahrn fahrn fahrn”

  1. wolf-dieter sagt:

    Wir waren letzte Woche in Berlin und sind mit der Bahn angereist, in der 1.Klasse, weil es mit einem Sparticket billiger war als in der 2. Klasse. Auch da sahen die Toiletten ähnlich aus. Nach einiger Zeit wurden sie immerhin gereinigt, aber auch diese stillen Orte möchte man meiden. Sie laden nicht dazu ein, mit der Bahn statt mit dem Pkw zu fahren.

  2. Helmut sagt:

    Also auch die Bahn – und selbst in der 1. Klasse?! –
    Mir fällt dazu immer Bunuels Film “Das Gespenst der Freiheit” ein, in dem man ungeniert zusammen auf dem Thron sitzt – sich aber zum Essen heimlich und schnell in ein stilles Kämmerlein begibt.
    Aber es fällt auch die Diskrepanz der Autos zu den Bedürfnisanstalten auf – sagen wir mal überwiegend 1. und 2. Klasse bei den Wagen, bei den Klos Klasse 5 und 6 (bei einer Klassifizierung bis 6 – obwohl man sich immer auch noch ekligeres unschwer ausmalen kann…)

  3. uwe sagt:

    hallo!

    bin wieder da.

    und befuhr gerade heute erst eine autobahn, die a 20, die sog. ostseeautobahn richtung rostock. auch wir mußten halt machen, eine feine pinkelpause für groß und klein. auf einem parkplatz, als es mal nicht in strömen schüttete.

    und siehe da: die toilette war sauber, gut belüftet, gereingt und fast ohne jedes sex-graffito, was ich schade fand. denn gerade diese kontakt- und kürzel-prosa kann das urinieren bisweilen zu einem unterhaltsamen und manchmal sogar irritierenden intermezzo machen. heute z.b. las ich in einer fuge: “Biete saft. Gebesa.” und rätsele noch immer, was sich dahinter verbergen könnte. fast hätte ich mir die tel.-nr. notiert. ich habe es dann doch gelassen. aber was könnten die stummelworte meinen?

    nicht alle parkplatztoiletten sind also abstoßend und eigentlich unbenutzbar. doch die a 20 ist erst vor ein paar jahren fertiggestellt worden. vielleicht sieht sie in einiger zeit genauso aus wie die von helmut beschriebenen. und hoffentlich gibt’s auf ihnen dann mehr zu lesen, auf den unvermeidlichen klinkern und in den fugen dazwischen. man müßte mal die originellsten klo-prosamen sammeln. könnte aufschlußreich sein. worüber?

    grüße, uwe.

  4. Helmut sagt:

    Das gibt es also (noch?) – immerhin erfreulich. Rubrik Gute Nachrichten – selten genug.
    Allerdings richtig: Wer weiß, wie lange sie noch in diesem Zustand sind, wenn die Autobahn noch nicht alt ist, dürfte das der Grund für den begehbaren Zustand sein.

    Ein anderes Thema: Die Graffiti.
    Biete Saft – nun, da wird es sich nicht um Fruchtsaft handeln, schätze ich.
    Und Gebesa um zwei Buchstaben ergänzt hieße Gebesaft, entsprechender Name – aber gut.

    In einem Psychologenklo, in dem die Putzfrauen sich mit einem Zettel zu Wort gemeldet haben, dass richtig gespült werden solle, ist handschriftlich vermerkt:
    WISCHEN IST MACHT.

  5. uwe sagt:

    die von dir zitierte handschriftliche notiz stammt eher aus der kalauerkiste und spielt auf einen anderen spruch an, den zu kennen wichtig ist, um den (mäßigen) witz der formulierung ästimieren zu können. wer hat ihn geschrieben? ein patient? ein therapeut? egal. es spricht nicht für ihn. denn despektierlich ist es schon, wenn man die berechtigte forderung der putzfrauen nach gründlicher spülung mit solch einem spruch abtut.

    deine auflösung des graffito von der a 20 ist schon ganz gut. ich hatte auch an “saftige” oder “saftiges” bei “saft.” gedacht. mit dem “gebesa” kam ich nicht ins reine. “besa” könnte noch für “besamung” stehen. aber wofür steht das “ge”? wir werden es nicht lösen. ist vielleicht auch nicht so wichtig.

    öffentliche klos dienen der verrichtung der notdurft. darüber hinaus sind es auch kontaktbörsen. und nicht zuletzt können ihre wände zu einer oberfläche werden, um schreibend eine andere art von duftmarke zu setzen, zu hinterlassen. eine anonyme. vielleicht liegt darin der reiz. ich selbst schreibe auch mal gerne meinen sermon in die fugen zwischen die klinker. wenn ich einen stift zur hand habe und mir etwas einfällt. warum nicht?
    grüße, uwe.

  6. Helmut sagt:

    Habe heute bei gmx die Meldung gesehen, dass sich der ADAC Autobahnraststätten, nicht nur deutsche, angesehen hat und annähernd die Hälfte wurde mit der Note 4 ausgezeichnet. Die 1 wurde auch nur einmal vergeben – an eine deutsche Raststätte bei Wiesbaden. Überhaupt hätten die deutschen recht gut abgeschnitten. – Möchte man dann die italienischen auf den letzten Plätzen besuchen?

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