Jun 22 2007
Visual Urban Abstracts
Unter diesem schönen Titel hat die Fotografin Patrice Elmi Städtebilder veröffentlicht, die sie mit ihrer Handykamera aufgenommen hat. Wie der Titel es schon sagt, nimmt sie dabei Abstraktionen vor, die an alltäglichen Dingen visuelle Qualitäten zum Leuchten bringen. Eine Auswahl der Bilder im Großformat gibt es hier, Tumbnails von weiteren Bildern gibt es da. Mir gefällt es, mit kleiner Ausrüstung (=Handykamera) unterwegs zu sein und wenn dabei solche Ergebnisse stehen: Klasse.
Hier gehts zu (ihrem?) Blog, viele tolle Bilder, alle mit Copyright-Vermerk.
lieber w-d,
vielen dank für den hinweis.
die bilder gefallen mir sehr. interessant, wie man aus banalen oberflächen oder trivialen alltagsmotiven durch ein cross-over oder eine ausschnittwahl und entkontextualisierung ein abstraktes spiel der formen und farben, der strukturen und texturen machen kann.
das verfahren und das prinzip, keine nachbearbeitungen vorzunehmen, kommen auch meinem fotografieren sehr nahe. es hat mich sehr gefreut, daß eine renommierte künstlerin mit solchen verfahren arbeitet und dabei so gute ergebnisse mit einer simplen handy-kamera erzielt. das etwas andere, spannendere porträt einer stadt-landschaft, man könnte es fast eine physiognomie ihrer verborgenen strukturen und texturen nennen. und auch eine art, das vorgefundene anders zu interpretieren und vertraute ansichten mit neuen bildern sich überlagern zu lassen.
hab’ dank für den tipp.
eine mögliche kritik könnte allerdings lauten: daß ein solches vorgehen leicht in die beliebigkeit münden kann, denn durch die wahl des standpunkts und des ausschnitts kann potentiell jedes motiv verfremdet, in struktur und textur, farbe und licht und form überführt werden. man muß bei jedem neuen foto also danach fragen, inwieweit es als bild gelungen ist, d.h. inwieweit es eine neue oder andere be-deutung des sichtbaren leistet.
herzliche grüße, uwe.
Deine Kritik trifft den Punkt. Beim ersten und zweiten Ansehen der Bilder kam mir der Gedanke nicht. In der Beschreibung ihres Blogs steht der Satz: “This is an evergrowing work-in-progress called Visual Urban Abstracts.” Es bleibt abzuwarten, ob die folgenden Bilder Variationen des Bekannten sind oder eine neue Qualität zeigen.
Ja, und ich würde generell sagen: Mir sind lieber, die, ich sage mal mangels eines besseren Begriffs, ein Geheimnis haben, lieber. Ich dachte das auch schon bei Deinen Bildern, Uwe. Sie gefallen mir, aber ich habe sie schnell gesehen. Das ist sehr, ich sage mal, graphisch. Ich sehe was ist – und dann habe ich es gesehen. Es sind keine Bilder, die meine Aufmekrsamkeit magnetisieren, die hineinziehen, die man lange oder oft ansieht, weil man das Gefühl hat, etwas noch nicht entdeckt oder verstanden zu haben.
Vielleicht sind si emir zu deutlich.
Vielleicht ist das was gezeigt werden soll, zu deutlich.
Das ist ok. – Darum geht es nicht. Und wie gesagt: Ich seh sie gerne an. Aber mir fiel auf, dass ich sie, vielleicht ist das erstmal der beste Begriff, schnell gesehen habe. – Zack, das nächste. – Da fehlt mir evtl. eine gewisse Tiefe. Du schriebst ja selbst von Oberflächen – und die scherzhafte Frage nach den Unterflächen war da gar nicht nur gescherzt.
Ein Punkt dabei kann auch sein: Es handelt sich bisher nur um Dinge. Und um Dinge in Nahaufnahmen. Schon die Entfernung, der Raum, ein Horitzont taucht nicht auf. So ist tatsächlich auch keine räuliche Tiefe da. Von Gesichtern oder Personen oder Szenen oder was immer man sich denken könnte, abgesehen.
Das muss man auch nicht, aber es ist eine Beschränkung, es ist ein bestimmter Blick, ein bestimmter Bildausschnitt, kleine graphische Trouvaillen.
Oder?
lieber helmut!
vielen dank für deine offenen worte.
und ich sehe sie gar nicht als kritik, sondern als die beschreibung deiner seh-erfahrung. das ist legitim, und einiges trifft zu.
zunächst eine klarstellung: oberflächen war der begriff für die zweite gruppe von 4 fotos, die w-d ins netz stellen sollte. er bezog sich auf diese und nicht auf die gesamtheit meiner fotos. obgleich oberflächen und wie sie anders gesehen bzw. aufgenommen werden können, ein durchgehendes thema meiner fotos ist. oberflächen sind also in diesem sinne auch unterflächen: wie und wodurch sie anders in erscheinung treten, wie und durch was das auge zum phantasieren angeregt wird. letztlich geht es auch um eine physiognomik des sichtbaren, ein von mir ausgewähltes sichtbares, das ist klar, denn: immer bin ich es und meine neigungen, obsessionen, die hinter der linse stehen. letztlich teilen die bilder auch etwas über meine welt- und dingerfahrung mit.
die erste gruppe hatte den titel rebus. dort waren auch oberflächen oder arrangements von dingen zu sehen, die durch die art der aufnahme, durch standpunktwahl und entkontextualisierung zu bildern von etwas anderem werden können. aber nicht müssen, denn es liegt letztlich an der betrachterphantasie, ob sie die vom foto geleistete be-deutung des sichtbaren mitvollzieht oder nicht. entscheidend für mich ist, daß ich seh-weisen anbiete, augen- und im besten falle gedankenreisen, ausgehend von dem etwas anderen blick auf vertrautes, offensichtliches, bekanntes. das muß nicht immer tiefgang haben, manchmal ist es nur die schöne graphische oder auch malerische textur, die interessiert und die mich, nachdem ich das foto gemacht und gesehen habe, anders durch die welt schreiten läßt. insofern haben die bilder auch nachwirkungen. das ales kann vom betrachter eher schnell nachvollzogen werden, wie von dir beschrieben, oder eben weniger schnell oder gar nicht. ich finde vor, drücke ab und biete das von mir gedeutete an. die letztliche sinnproduktion liegt im auge des betrachters. ob er dabei schnell zu einem ende kommt, ist mir eher egal. das geheimnis steckt für mich in der reise, die ermöglicht wird. so viel zum verfahren und zu einer meiner motivationen, fotos zu machen.
was die schnelligkeit betrifft, mit der man mit den fotos “ferig” wird . nun ja, da wird es erhebliche unterschiede von betrachter zu betrachter geben, je nach dem grad ihrer visuellen kompetenz. dasselbe gilt auch für mich, der diesen blick auf seine umwelt wirft. auch ich habe eine geschichte meiner seh-erfahrungen hinter mir, die es mir erlaubt, gewissermaßen mit einem hintersinn auf das augenfällige zu blicken, mit einer tendenz zur camouflage oder einer tendenz zum aufdecken von strukturen und texturen an fast beliebigen alltagsdingen. die ergebnisse kannst du dann sehen, und es kann ja auch ein ausweis ihrer qualität sein, daß der betrachter, in dem fall du, den trick, das verfahren, die blick-einstellung bemerkt oder herausbekommt – ob nun schnell oder nicht -, dem sich das foto verdankt. es sind ja anleitungen zu einem etwas anderen sehen, nicht mehr und nicht weniger.
die auswahl der motive sehe ich nicht als beschränkung, sondern als fokussierung. bisher liegt mein schwerpunkt auf strukturen, texturen, oberflächen meiner urbanen und natürlichen um-welt, vornehmlich dinge oder zufällige arrangements, von witterung oder sonstigen handlungen verändert, verfremdet. kunstwerke des zufalls nannte das genazino einmal.
gesichter oder personen oder gar szenen fotografiere ich selten, eher zu dokumentarischen zwecken oder, wenn sie sich die betreffenden personen nicht bewußt sind, daß ich sie aufnehme. so habe ich einige schlafende paare im stadtpark, lesende, sich umarmende fotografiert. ob da nun mehr tiefe enthalten ist, müssen andere entscheiden. mein tenor liegt woanders. bei den trouveillen, ein begriff, der es sicherlich trifft:
optische glücksfunde, die zwar vorgefunden werden, aber erst durch die wahl des stand- und blickpunktes zu trouveillen werden, zu bildern, die dem auge für eine gewisse zeit etwas zu denken, zu tun geben.
so, genug des bekennens in eigener sache. und wie gesagt, deine seh-erfahrung bleibt dir unbenommen. andere werden andere haben.
herzliche grüße, uwe.
p.s. der beitrag fällt ja wohl eher unter die rubrik “nabelschau”. sei’s drum.