Jul 05 2007

Ethik oder Monetik

Published by at 9:02 am under dans l'eau

Monetik

“Ethik oder Monetik” steht an einer Marburger Hauswand

Sagenhaft reich – zu welchem Ende?

Oder

Reichtum und Charakter

Anlässlich zweier Artikel aus der “Zeit” vom 14.06.2007

Wie verhalten sich Geld und Verantwortung?
Im Wirtschaftsteil wird auf S. 31 über den Sohn des saudischen Thronfolgers, Prinz Bandar, berichtet, der sein Ferienhaus in Aspen, Colorado verkaufen will – für 135 Millionen Dollar. Es ist größer als das Weiße Haus.
Prinz Bandar steht im “Zentrum des vielleicht größten Korruptionsskandals der Industriegeschichte”. Es geht um von England gelieferte Kampfflugzeuge – über 1 Milliarde Pfund Schmiergeld soll der Prinz kassiert haben. Er bestreitet das. Der Deal über 150 Tornados und Hawks hatte einen Wert von 63,5 Milliarden Euro. Ermittler stießen auf Schwarzgeldkonten bei der Bank of England, in Washington und in der Schweiz.
Der Prinz selbst wird mit einem Interview aus dem Jahr 2001 bei dem amerikanischen Sender PBS zitiert: “In den letzten 30 Jahren haben wir in Saudi-Arabien ein Investitionsprogramm von rund 400 Milliarden Dollar durchgeführt, okay? Nun schauen Sie sich das Land an, und wenn Sie mir sagen, 350 Milliarden Dollar hätten auch gereicht, und 50 Milliarden wurden beiseitegeschafft, dann sage ich Ja, und diese 50 Milliarden nehme ich jederzeit.”

Im Wirtschaftsteil auf S. 38 liest man über Douglas Tompkins: “Er wirkt, als käme er direkt aus der Kleiderkammer der Heilsarmee: ausgelatschte Bootsschuhe, ein altes Baseballkäppi, ein verwaschen-braunes Hemd mit abgestoßenem Kragen.”
Tompkins gründete die Firmen The North Face und Esprit. Seine Firmenanteile hat er verkauft und mit dem Geld 800.000 Hektar Land in Chile und Argentinien gekauft. Das entspricht einer Fläche, die größer als Kreta ist. Damit ist er einer der größten Landeigner der Welt.
Er sagt: “Ich freue mich an Dingen, die nicht konsumierbar sind. Und ich denke, es ist wichtig, zu versuchen, den Lebensraum unserer Nachfahren vor der industriellen Wachstumsgesellschaft zu bewahren.”
In den vergangenen zehn Jahren habe er 200 Millionen US-Dollar für seine Projekte ausgegeben.
Projekte, für die er angefeindet wird und für die er die absurdesten Vorwürfe und Beweggründe untergeschoben bekommen sollte. Selbst Naturschutzorganisationen feinden ihn an; dem Artikel zufolge ficht es ihn nicht an.
Er meint “Kapitalismus sei eine Maschine, geeicht auf Expansion, auf Wachstum. Auf immer mehr, immer größer, immer schneller” und sagt: “Deshalb ist die Ökologie so schwierig zu akzeptieren für den kapitalistischen Menschenverstand.”
Er will der Landschaft, drei Nationalparks hat er bereits geschaffen, in seinem neuesten Projekt, in der er die Zahl der Schafe von 25.000 auf 1000 reduziert hat, erst einmal 100
Jahre Ruhe gönnen. Die ehemaligen Besitzer der Schafherden hatten die Huemul-Hirsche fast ausgerottet, um sie zu Hundefutter zu machen, damit sie diesen nicht die teuren Schafe verfüttern mussten.
Zwei verschiedene Arten, mit viel Geld umzugehen, zwei Arten, sich in der Gesellschaft und in der Welt zu positionieren, Stellung zu beziehen, etwas bewirken zu wollen.
Ethik oder Monetik?
Es gibt also anscheinend auch gute Nachrichten.

2 responses so far

2 Responses to “Ethik oder Monetik”

  1. wolf-dieter sagt:

    Dieser Beitrag zählt aktuell zu den meist gelesenen auf unserer Seite. Trotzdem gibt es bislang keine Kommentare. Vielleicht weil der Irrsinn zwischen den beiden Arten, mit Geld umzugehen, so groß ist?

  2. Helmut sagt:

    Danke für die Mitteilung. – Das denkt man ja nicht unbedingt, wenn jegliches Echo ausbleibt. – Über die Gründe freilich kann man fröhlich spekulieren. – Vielleicht hat die ganze, sicher große, saudische Königsfamilie die Zeilen gelesen und sinnt nun auf Rache, Heilige Kriege oder was so en vogue ist (fröstel)?

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