Jul 07 2007

Rutsche in die Zukunft

Published by at 5:57 pm under sur l'eau

Gestern auf einem Spielplatz. Drei Mädchen kommen plaudernd zur im hellen Sonnenschein silber glänzenden Rutsche. Zwei klettern hinauf und warten, ihre Freundin steht unten und ruft nach oben: “Das ist unsere Rutsche in die Zukunft!” Die beiden rutschen kreischend runter und rufen beim Ankommen laut hinaus, wie die Zukunft beschaffen ist, in der sie sich nun befinden. Interessantes Spiel, das ich so noch nicht kannte. Was würde ich mir wünschen? Wo möchte ich ankommen, womit mich beschäftigen?

11 responses so far

11 Responses to “Rutsche in die Zukunft”

  1. wolf-dieter sagt:

    Ferien…Zeit für die Familie…Zeit, dem eigenen Rhythmus zu folgen…Filme gucken…”Irgendwie” hat es aktuell mit “Zeit haben” und diese nach dem eigenen Gefühl zu organisieren zu tun.

  2. Helmut sagt:

    Wünsche sind ganz schwer.

    Vielleicht können es Kinder (noch) besser, wahrscheinlich.
    Aber selbst? –
    Da ist man gleich bei Platituden oder Abgenutztem.
    Und was wäre ein wirklich guter Wunsch? Denn von der Bibel bis zu den Märchen wird ja vor unbedachten Wünschen gewarnt, zu Recht wohl.
    Ich meine von Oscar Wilde gäbe es ein Bonmot, das sinngemäß besagt: Das Schlimmste was Dir passieren kann: Wenn Deine Wünsche in Erfüllung gehen. -

  3. Helmut sagt:

    Überhaupt:

    Zukunft. –

    Walter Benjamin stellte vor ca. 60, 70 Jahren fest, dass die Leute im allgemeinen wenig Lust auf Zukunft hätten, sondern Hoffnung mehr im Vergangenen zu finden sei. -

  4. uwe sagt:

    ich war überrascht und erfreut zugleich, wie leicht kinder mögliche welten, spiel-realitäten sich zu erschaffen vermögen. das hat mir imponiert und zugleich stellte ich mir die frage, ob ich in der lage wäre, so unmittelbar einen wunsch oder eine zukünftige beschäftigung zu äußern. man trägt ja so allerhand sehnsüchte und träume mit sich rum. aber so richtig konkret wurde es bei mir nicht. eher so wie wolf es andeutet: souverän über die eigene zeit verfügen, was ja auch schon sehr viel wäre.

    die mädchen an der rutsche waren sofort in ihren spielwelten: sie sprangen auf und waren prinzessin, tierpflegerin oder mutter. bei mir war es so, daß ich es für einige minuten genoß, im schatten sitzend mir diese fragen zu stellen, ohne zu einem abschluß zu kommen. es kam mir wie ein time-out vor, wie ein in sich hineinhorchen und ins blaue phantasieren. ein kurzes innehalten.

    einige tage später habe ich eine kleine umfrage gestartet in meiner näheren umgebung. eine freundin wünschte sich, endlich beruflich durchstarten und selbständig sein zu können; ein freund war schon mit einem sehr guten italienischen nudelgericht samt passendem rotwein zufrieden; ein anderer wollte nur ruhen und den ziehenden wolken im himmel zusehen. es ging also auch bei ihnen weniger darum zu bestimmen, was sie existentiell entbehren und dies durch einen wunsch aufzuheben, als vielmehr um die kleinen sehnsüchte für eine nähere zukunft. es ging um subjektive vorstellungen von einem geglückten moment in der näheren eigenen zukunft. und mehr hatte es auch bei mir nicht ausgelöst, das rutschen-spiel, auf das ich zufällig aufmerksam wurde. die wünsche und hoffnungen, die du ansprichst, lieber helmut, zielen wohl eher auf substantielles. oder?

  5. Helmut sagt:

    Substanz, ja, immer: MEHR SUBSTANZ!!!
    Mensch! – werde wesentlich!

  6. uwe sagt:

    wenn man sich auf so ein spiel einläßt, wenn auch nur gedanklich, ist man vielleicht schon auf dem weg – zur eigenen substanz. wer weiß!?

  7. Helmut sagt:

    Wer weiß?, das ist zu unsicher, viel zu unsicher, das hat einfach – zu wenig – - Substanz!!

  8. uwe sagt:

    was könnte mehr substanz haben? keine möglichen wünsche, keine augenblickssehnsüchte zu formulieren – hat das mehr substanz oder überhaupt substanz?
    aus dem kinder- und zeitweiligen, zeit kurzweilig vertreibenden erwachsenen-spiel eine grundsatzfrage zu machen – hat das substanz? und wenn ja, welche?

  9. Helmut sagt:

    Du wirst gemerkt haben:
    Ohne (selbst)ironischen Unter(über?)ton waren meine letzten Kommentärchen nicht zu lesen!

    Ernst gemeint war aber: Wünsche, ernst genommen – und soll, ja muss man sie nicht ernstnehmen? (Denn wer weiß, was rauskommt – und wann?!) – sind schwer zu äußern. –
    Nein! Sind sie nicht: Sie sind leicht zu äußern. – Aber, und darüber geben etwa bereits viele Märchen beredte Auskunft, Wünsche haben Folgen, womöglich Spätfolgen, sie können Weichensteller sein. – Ist Vorsicht da nicht angebracht, gute Überlegung?
    Natürlich, für die kurzgreifenden Hätte-ich-jetzt-gerne-mal – Wünsche gilt das nicht. – Ein Teller Spaghetti, ein Kinobesuch, was immer – das ist gleich und bedenkenlos zu erledigen, geschenkt. -
    Aber was sollte man sich nun wirklich ernsthaft wünschen, worauf hoffen? –
    Ist man da nicht ganz schnell bei Allgemeinheiten, irgendwo auch Plattheiten? – Keinen Krieg erleben zu müssen, gesund zu werden/ zu bleiben, immer genug zu essen und zu trinken haben sowie ein Dach über dem Kopf, mithin ausreichende materielle Versorgung, dass es den Kindern gut gehen möge und was dergleichen mehr sein möge.
    Das mag sinnvoll wünschbar sein – ist aber nicht besonders spannend, noch nicht einmal individuell. Sind es DIE Wünsche?
    Da könnte man zum 1. Kommentar zurückgehen: Familie, Ruhe, Zeit: Ja. – Zeittypische Bedürfnisse wohl auch. So kann in Wünschen auch n bissel Zeitkritik stecken.
    Innere Ruhe, mehr Gelassenheit, eine sinnvülle, anerkannte Arbeit, Eigen-Zeit…: Wünsche, weil Defizite.

  10. uwe sagt:

    wünsche ernst nehmen – gerne!
    man muß nur nicht immer aufs ganze gehen, zumal dann nicht, wenn die situation, in der man zufälligerweise und von außen angeregt sich aufs wünscheln verlegt, eine spielerische, von kindern angestoßene ist.

    sicher: wollte man DIE wünsche formulieren, so müßte man maß nehmen – am eigenen leben und seinen defiziten und an dem, was die gesellschaft dafür an möglichen erfüllungen und lösungen bereithält. das ginge dann in deine richtung. nur, wie weit käme man damit?

    ich wollte zu bedenken geben, ob es nicht gelingen könnte, die kleinen wünsche zu summieren zu einer art essenz, die wenigstens den einen vorteil hat, daß sie lebbar wäre. nicht DEN wunsch hegen und verfolgen, der eine entbehrung ein für allemal zu beenden in der lage ist, sondern wünschen als modus vivendi, als ein fortgesetzter prozeß, der sich selbst immer wieder korrigiert. auch eingedenk deines hinweises, daß nichts schlimmer wäre, als wenn wünsche wirklich in erfüllung gingen. worauf hin sollte man dann noch leben?

    (mein) fazit: mehr mut zum zeitweiligen phantasieren. das muß ja nicht immer mit weltflucht oder realitätsblindheit einhergehen.

  11. Helmut sagt:

    Was ist das für ein Zweckfatalismus: Wie weit käme man damit?
    Wieso sollte man nicht weit kommen?

    Wunsch als Modus vivendi: Ja tun wir das denn nicht ohnehin schon (mehr oder weniger)?

    Worauf hin man leben soll, ja Uwe, das muss sich wohl jeder selbst beantworten. – Mit oder ohne Wunschkultur.

    Bewußter wünschen könnte man, durchaus im Sinne einer Wunschkultur, man könnte es pflegen, ja.

    Gegens Phantasieren hab ich ja wirklich nichts – wenns nicht allein bleibt. Nur Luftschlösser oder Geschwätz oder Uneingelöstes allerdings, das verstockt irgendwann und war dann die allerlängste Zeit gut.

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