da hast du ja wieder die rechten augenblicke zum abdrücken gefunden. handy-kamera immer dabei?
beim ersten bild ein sprechender kontrast zwischen der duftigen wolkenformation und dem felsmassiv, das noch dazu in einem schattenpuzzle liegt.
bei der traverse finde ich die größenverhältnisse interessant und wie sich in der entfernung ein menschenkörper zu einer stecknadel verwandelt und ein teil der landschaft wird. und was für eine reiche modulation an grauwerten.
beim dritten korrespondiert das motiv des abgangs sehr schön mit der abfallenden kontur des felsens, und das silbergrau des steins hebt sich effektvoll vom blauweiß des himmels ab. gelungen auch die blaue dunst-erscheinung der hinteren berge.
was halten solche bildere fest?
sind sie mehr als erinnerungshilfen?
was steckt in ihnen, was vermitteln sie von der erfahrung des bergwanderns?
die Bilder habe ich mit meiner Sony PowerShot S3 gemacht. Sie wirken ggf. wie Bilder von einer Handykamera, weil ich sie zugunsten einer schnellen Ladezeit verkleinert habe. Dadurch haben sie leider auch an Brillanz verloren (wie alle anderen Fotos auf unserer Seite.)
Für mich geben sie nicht in erster Linie etwas von der Erfahrung des Bergwanderns wieder. Es ist im Vergleich zu Helmut eine andere Berg- oder Naturerfahrung. Wir haben mit der Seilbahn die 1600m Höhendifferenz von Bovec zum Kanin überbrückt. Es ist mehr das Spiel von Licht und Schatten, die Linie in der Traverse und die fallende Linie im letzten Bild mit den Wolken darüber und dem unterschiedlichen Silbergrau davor, die mich angezogen haben. Das letzte Bild habe ich aus der fahrenden Seilbahn heraus gemacht, ebenerdig hat man eine ganz andere Perspektive.
Wenn ich mir die Bilder daheim betrachte, tritt dieses spielerische Moment noch stärker hervor als bei der Aufnahme. Und dabei ist es fast so, als wäre das Bild schon vor der Aufnahme da gewesen, und ich habe es nur noch eingefangen oder gefunden.
das könnte man sicherlich von allen zufällig und aus dem augenblick heraus vorgefundenen bildern sagen, die man dann fotografisch festhält: sie waren schon da, doch es bedurfte eines auges, sie SO zu sehen und eines apparates, sie SO festzuhalten.
wenn es gelungene und in sich stimmige bilder sind, die über das augenscheinliche motiv noch etwas anderes transportieren, kann man wohl von einem glücklichen moment sprechen, in dem gegenstandswelt und betrachter in eine fast wunderbar anmutende korrespondenz treten. immer ist es jedoch die anschauungs- und vorstellungskraft desjenigen, der offenen sinnes die welt betrachtet und solche bilder hinein- oder heraussieht.
liegt das bild dann vor einem und man betrachtet es erneut, kann es einem gehen wie dir, und man erkennt dinge, die einem zuvor, im moment der aufnahme, nicht aufgefallen sind. gelungene bilder könnte man folglich solche nennen, die unser sehen verwandeln und bereichern.
kannst du mir zustimmen? decken sich deine fotoerfahrungen mit meinen worten?
Ich stimme Dir weitgehend zu. Jedoch glaube ich nicht, dass die Anschauungs- und Vorstellungskraft des Betrachters stärker wiegen als das, was man vorfindet. Das Naturbild ensteht nicht nur durch Projektion von innen nach außen, sondern etwas, das ich nicht bin, ist da und tritt in eine Art von Kommunikation mit mir.
noch eine kleine korrigierende anmerkung.
ich wollte den eigenanteil gar nicht stärker machen als das, was man vorfindet. es ging mir um eine geglückte korrespondenz von subjekt und objekt in einem gegebenen moment, obgleich es, wie ich finde, immer darauf ankommt, wer, wann, wo, was vorfindet und wie er damit umgeht. eine projektion von innen nach außen ist das sicherlich nicht, das hatte ich auch nicht gemeint. nur die produktive phantasie, die selbst beim einfachen sehen tätig zu sein scheint, diese offenbar ruhelose tätigkeit des be-deutens wollte ich ins spiel bringen.
in diesem sinne hoffe ich auf weitere bilder.
Wir waren im August dort, die Temperatur im Tal lag im Schnitt bei ca. 25 Grad, die Bergtour konnte man gut im Pullover machen. Auch der Wind war angenehm frisch, aber nicht kalt – wobei ich es etwas kühler lieber mag als der Rest unserer Reisegesellschaft. Viel los war auch nicht, das Bild mit der Traverse vermittelt einen ganz guten Eindruck, oben auf dem Berg waren wir eine Weile ganz allein.
Manche Bilder sind einfach geknipst, schnell geschossen ohne lange nach der richtigen Einstellung zu suchen. Wie das erste Bild dieser Serie. Wir haben eine Wanderung im Tal gemacht, mein Blick fiel auf den Berg, ich sah die Wolke darüber und zack. Mehr als die Hälfte der Bilder, die so entstehen, lösche ich gleich nach der Aufnahme wieder, weil sie beim zweiten Blick darauf nicht mehr das halten, was der erste versprach.
Man kann das Verhalten in diesen Aufnahmesituationen als eine Art entspannte Aufmerksamkeit bezeichnen. Der Blick wandert durch die Landschaft ohne ein Ziel zu fixieren, aber es gibt Orte, an denen er hängen bleibt oder verweilt. Spazieren zu gehen oder zu wandern ähneln der Art, wie ich Filme gucke. Die Natur erscheint meistens schon als Landschaft mit Bildern darin. Die Kamera hält die Augenblicke, wenn ein Bild auftaucht, fest. “Bedeutung” gibt es allenfalls hinterher. Im Moment der Aufnahme ist es das Spiel der Formen (Licht, Schatten, steigende und fallende Linie, Tiefenschärfe etc.), das die Situation bestimmt. Dass diese Spontaneität nicht nur eine des Augenblickes ist, sondern Vorläufer hat, braucht man hier wohl nicht zu erklären.
Wenn sich etwas sehe und die erste Assoziation ruft eine Bedeutung ins Bewusstsein, dauert es länger bis das Bild mit der Kamera entsteht. Und wenn die Reflexion einmal eingesetzt hat, will sie auch organisierend in das Material eingreifen. Auch das hat seinen Reiz, ggf. entstehen daraus Bilder, die man wiederholt betrachtet. Die Mehrzahl meiner Bilder entstehen im Augenblick und dafür sind sie gemacht. Ob sie mich oder andere geneigte Betrachter in einem Jahr noch ansprechen, kann offen bleiben.
vielen dank für die explikationen.
jetzt bin ich aufgeklärt und freue mich schon auf neue bilder. mir jedenfalls gefallen deine fotos, egal ob sie sich dem bloßen zufall und augenblick oder dem korrigierenden, interpretierenden zugriff verdanken. sie regen an, worte zu finden für das, was sie veranschaulichen. und darüber kann man sich wieder austauschen. auch über den augenblick hinaus.
für mich war interessant zu erfahren, warum und wie du dir dein leben bebilderst, im urlaub, im alltag oder bei welcher gelegenheit auch immer. ist das fotografieren für dich eigentlich mehr als ein hobby? drückt sich in ihm etwas aus? ein verhalten oder eine erwartungshaltung der welt gegenüber?
Schön, wenn die Bilder dir gefallen. Ich glaube, dass die beschriebene Form der Aufmerksamkeit den Reiz des Fotografierens für mich ausmacht. Vielleicht ist das banal, aber etwas zu finden ohne genau zu wissen, wonach ich gesucht habe, die Begegnung im Augenblick, so etwas könnte es sein. Als Augenblicke sind sie – dem eigen Begriff nach – verschiedenen, ggf. auch desperat. Es gibt keinen Zwang zur Identität und keine Notwendigkeit dabei, einem bestimmten Stil zu folgen oder ihn einzuhalten. Vergleichbares habe ich an andere Stelle über dieses Blog geschrieben. Dies führt einerseits dazu, dass ggf. ein Profil nur schwer zu erkennen ist, andererseits ist es eine beständige Einladung, etwas gemeinsam zu versuchen.
Wenn man es in Begriffen fassen will, könnte man sagen Beobachtung vs Konzept. Natürlich ist die Gegenüberstellung in dieser Form naiv. Sie zeigt aber den Vorrang der konkreten Beobachtung und Erfahrung vor der theoretischen Konstruktion an. Darin, dass dieser Vorrang selbst nur theoretisch konstruiert werden kann, sind wir uns, so glaube ich, einig.
offen sein, um sich beeindrucken zu lassen – dazu gehört eine besondere geistes- und seelenverfassung. um 1900 firmierte sie meines wissens als “impressionabilität”. auf knopfdruck, auf befehl allerdings geht das nicht.
schön, daß es dir gelingt, dich von dem, was dir zufällt, überraschen zu lassen. in der kinderpsychologie – ich weiß das aus eigener erfahrung hinsichtlich der besonderen beobachtungsgabe meines sohnes – nennt man das “reizoffenheit”: er ist offen für jeden reiz, und jeder neue kann den vorherigen ablösen. dabei ist er zugleich zerstreut und aufmerksam. es ist eine art des unkonzentriertseins, bei der die äußeren reize nicht gefiltert, sondern als prinzipiell gleichwertig aufgenommen und erst im nachhinein kategorisiert werden. das gegenteil wäre eine strenge und einseitige, konzentrierte fokusierung auf eine sache oder eine tätigkeit.
ist deine form der entspannten aufmerksamkeit beim fotografieren vielleicht auch eine art der spielerisch herbeigeführten und zugelassenen kindlichkeit?
Was Du beschreibst, klingt sehr interessant. Für ein Kind und seine Umgebung ist ein ungefilterter Reizstrom wahrscheinlich eine beständige, auch anstrengende Herausforderung. Für uns, die Du mal treffend als “Fortysomethings” bezeichnet hast, sieht es anders aus. Vieles, das uns begegnet, sehen wir in diesem zarten Alter nicht zum ersten Mal und manche Erfahrungen, die wir gemacht haben, leben in der einen oder anderen Form in uns weiter. Aber – um beim Bild zu bleiben – gleich wie viele Berge und Wolken ich schon gesehen haben, es ist nicht die Wiederholung des Bekannten, weshalb ich zur Kamera greife. Sondern weil ich in diesem Moment von etwas angesprochen bin, das plötzlich hervortritt. Vielleicht ist es eine umgekehrte Madeleine. Dabei tue ich nicht so naiv, als wäre dieser Vorgang rein spontan und ohne Voraussetzungen. Aber es geht mir um die Orientierung: suche ich das Bekannte darin oder das Neue? Zeigt sich dialektisch das eine durch das andere vermittelt? Oder ist es divergent? Oder…?
Das Faszinierende für mich dabei: wie plötzlich das Bild hervortritt und wie die Kamera es einfängt, um dann ggf. davon oder auch etwas ganz anderes im fertigen Bild zu erzählen.
die konstruktion eines unschuldigen auges, das quasi vorausetzungslos der äußeren wirklichkeit gegenübertritt, ist eine – darin sind wir uns einig – illusion. und doch:
wenn wir von etwas überrascht werden, wenn wir perplex sind, begriffs- oder auch bildstutzig (gibt es das?), dann stehen wir etwas gegenüber, das jenseits unseres bisherigen erwartungs- und erfahrungshorizontes liegt. in gewissem sinne übersteigt es uns. dies zuzulassen, ist, das hast du zu recht betont, eine frage der orientierung, der vor-einstellung, und es kommt, bei mir jedenfalls, einem sich-anheimstellen an die losungen des augenblicks sehr nahe. man könnte es mit einem zeitweiligen stromausfall vergleichen: die gewöhn- und herkömmlichen kontakte sind unterbrochen und etwas neues kann erscheinen. und darin gleicht es der ästhetischen erfahrung, die man in momenten eines besonderen kunstgenusses macht.
schön, sich darüber einmal mit dir zu verständigen, wo wir doch beide, jeder auf seine art, der faszination erlegen sind, bilder einzufangen. halte ich den ball wieder nicht flach genug oder kannst du mir auf dieser “höhe” folgen?
Diese Seite ist ein Notizbuch für unsere Fundstücke und ein Forum für die Kommunikation, die einsetzt, wenn unterschiedliche Denk- und Schreibstile aufeinander treffen. Die Themen und Meinungen sind disparat. Die Besucher sind herzlich eingeladen, sich in die Diskussion einzuschalten oder die Beiträge zu kommentieren.
hallo wolf-dieter!
da hast du ja wieder die rechten augenblicke zum abdrücken gefunden. handy-kamera immer dabei?
beim ersten bild ein sprechender kontrast zwischen der duftigen wolkenformation und dem felsmassiv, das noch dazu in einem schattenpuzzle liegt.
bei der traverse finde ich die größenverhältnisse interessant und wie sich in der entfernung ein menschenkörper zu einer stecknadel verwandelt und ein teil der landschaft wird. und was für eine reiche modulation an grauwerten.
beim dritten korrespondiert das motiv des abgangs sehr schön mit der abfallenden kontur des felsens, und das silbergrau des steins hebt sich effektvoll vom blauweiß des himmels ab. gelungen auch die blaue dunst-erscheinung der hinteren berge.
was halten solche bildere fest?
sind sie mehr als erinnerungshilfen?
was steckt in ihnen, was vermitteln sie von der erfahrung des bergwanderns?
herzlich, uwe.
Hallo Uwe,
die Bilder habe ich mit meiner Sony PowerShot S3 gemacht. Sie wirken ggf. wie Bilder von einer Handykamera, weil ich sie zugunsten einer schnellen Ladezeit verkleinert habe. Dadurch haben sie leider auch an Brillanz verloren (wie alle anderen Fotos auf unserer Seite.)
Für mich geben sie nicht in erster Linie etwas von der Erfahrung des Bergwanderns wieder. Es ist im Vergleich zu Helmut eine andere Berg- oder Naturerfahrung. Wir haben mit der Seilbahn die 1600m Höhendifferenz von Bovec zum Kanin überbrückt. Es ist mehr das Spiel von Licht und Schatten, die Linie in der Traverse und die fallende Linie im letzten Bild mit den Wolken darüber und dem unterschiedlichen Silbergrau davor, die mich angezogen haben. Das letzte Bild habe ich aus der fahrenden Seilbahn heraus gemacht, ebenerdig hat man eine ganz andere Perspektive.
Wenn ich mir die Bilder daheim betrachte, tritt dieses spielerische Moment noch stärker hervor als bei der Aufnahme. Und dabei ist es fast so, als wäre das Bild schon vor der Aufnahme da gewesen, und ich habe es nur noch eingefangen oder gefunden.
das könnte man sicherlich von allen zufällig und aus dem augenblick heraus vorgefundenen bildern sagen, die man dann fotografisch festhält: sie waren schon da, doch es bedurfte eines auges, sie SO zu sehen und eines apparates, sie SO festzuhalten.
wenn es gelungene und in sich stimmige bilder sind, die über das augenscheinliche motiv noch etwas anderes transportieren, kann man wohl von einem glücklichen moment sprechen, in dem gegenstandswelt und betrachter in eine fast wunderbar anmutende korrespondenz treten. immer ist es jedoch die anschauungs- und vorstellungskraft desjenigen, der offenen sinnes die welt betrachtet und solche bilder hinein- oder heraussieht.
liegt das bild dann vor einem und man betrachtet es erneut, kann es einem gehen wie dir, und man erkennt dinge, die einem zuvor, im moment der aufnahme, nicht aufgefallen sind. gelungene bilder könnte man folglich solche nennen, die unser sehen verwandeln und bereichern.
kannst du mir zustimmen? decken sich deine fotoerfahrungen mit meinen worten?
herzlich, uwe.
Ich stimme Dir weitgehend zu. Jedoch glaube ich nicht, dass die Anschauungs- und Vorstellungskraft des Betrachters stärker wiegen als das, was man vorfindet. Das Naturbild ensteht nicht nur durch Projektion von innen nach außen, sondern etwas, das ich nicht bin, ist da und tritt in eine Art von Kommunikation mit mir.
Sieht gut aus in Slowenien.
Wie waren die Rahmenbedingungen?:
Viel los, Temperatur, Wind etc.?
noch eine kleine korrigierende anmerkung.
ich wollte den eigenanteil gar nicht stärker machen als das, was man vorfindet. es ging mir um eine geglückte korrespondenz von subjekt und objekt in einem gegebenen moment, obgleich es, wie ich finde, immer darauf ankommt, wer, wann, wo, was vorfindet und wie er damit umgeht. eine projektion von innen nach außen ist das sicherlich nicht, das hatte ich auch nicht gemeint. nur die produktive phantasie, die selbst beim einfachen sehen tätig zu sein scheint, diese offenbar ruhelose tätigkeit des be-deutens wollte ich ins spiel bringen.
in diesem sinne hoffe ich auf weitere bilder.
Einfach gesagt: Irgendjemand knipst irgendwann irgendwo etwas, das ihm auffällt?!
@ Helmut:
Wir waren im August dort, die Temperatur im Tal lag im Schnitt bei ca. 25 Grad, die Bergtour konnte man gut im Pullover machen. Auch der Wind war angenehm frisch, aber nicht kalt – wobei ich es etwas kühler lieber mag als der Rest unserer Reisegesellschaft. Viel los war auch nicht, das Bild mit der Traverse vermittelt einen ganz guten Eindruck, oben auf dem Berg waren wir eine Weile ganz allein.
Zum Knipsen und zur Bedeutung…morgen.
Manche Bilder sind einfach geknipst, schnell geschossen ohne lange nach der richtigen Einstellung zu suchen. Wie das erste Bild dieser Serie. Wir haben eine Wanderung im Tal gemacht, mein Blick fiel auf den Berg, ich sah die Wolke darüber und zack. Mehr als die Hälfte der Bilder, die so entstehen, lösche ich gleich nach der Aufnahme wieder, weil sie beim zweiten Blick darauf nicht mehr das halten, was der erste versprach.
Man kann das Verhalten in diesen Aufnahmesituationen als eine Art entspannte Aufmerksamkeit bezeichnen. Der Blick wandert durch die Landschaft ohne ein Ziel zu fixieren, aber es gibt Orte, an denen er hängen bleibt oder verweilt. Spazieren zu gehen oder zu wandern ähneln der Art, wie ich Filme gucke. Die Natur erscheint meistens schon als Landschaft mit Bildern darin. Die Kamera hält die Augenblicke, wenn ein Bild auftaucht, fest. “Bedeutung” gibt es allenfalls hinterher. Im Moment der Aufnahme ist es das Spiel der Formen (Licht, Schatten, steigende und fallende Linie, Tiefenschärfe etc.), das die Situation bestimmt. Dass diese Spontaneität nicht nur eine des Augenblickes ist, sondern Vorläufer hat, braucht man hier wohl nicht zu erklären.
Wenn sich etwas sehe und die erste Assoziation ruft eine Bedeutung ins Bewusstsein, dauert es länger bis das Bild mit der Kamera entsteht. Und wenn die Reflexion einmal eingesetzt hat, will sie auch organisierend in das Material eingreifen. Auch das hat seinen Reiz, ggf. entstehen daraus Bilder, die man wiederholt betrachtet. Die Mehrzahl meiner Bilder entstehen im Augenblick und dafür sind sie gemacht. Ob sie mich oder andere geneigte Betrachter in einem Jahr noch ansprechen, kann offen bleiben.
vielen dank für die explikationen.
jetzt bin ich aufgeklärt und freue mich schon auf neue bilder. mir jedenfalls gefallen deine fotos, egal ob sie sich dem bloßen zufall und augenblick oder dem korrigierenden, interpretierenden zugriff verdanken. sie regen an, worte zu finden für das, was sie veranschaulichen. und darüber kann man sich wieder austauschen. auch über den augenblick hinaus.
für mich war interessant zu erfahren, warum und wie du dir dein leben bebilderst, im urlaub, im alltag oder bei welcher gelegenheit auch immer. ist das fotografieren für dich eigentlich mehr als ein hobby? drückt sich in ihm etwas aus? ein verhalten oder eine erwartungshaltung der welt gegenüber?
Schön, wenn die Bilder dir gefallen. Ich glaube, dass die beschriebene Form der Aufmerksamkeit den Reiz des Fotografierens für mich ausmacht. Vielleicht ist das banal, aber etwas zu finden ohne genau zu wissen, wonach ich gesucht habe, die Begegnung im Augenblick, so etwas könnte es sein. Als Augenblicke sind sie – dem eigen Begriff nach – verschiedenen, ggf. auch desperat. Es gibt keinen Zwang zur Identität und keine Notwendigkeit dabei, einem bestimmten Stil zu folgen oder ihn einzuhalten. Vergleichbares habe ich an andere Stelle über dieses Blog geschrieben. Dies führt einerseits dazu, dass ggf. ein Profil nur schwer zu erkennen ist, andererseits ist es eine beständige Einladung, etwas gemeinsam zu versuchen.
Wenn man es in Begriffen fassen will, könnte man sagen Beobachtung vs Konzept. Natürlich ist die Gegenüberstellung in dieser Form naiv. Sie zeigt aber den Vorrang der konkreten Beobachtung und Erfahrung vor der theoretischen Konstruktion an. Darin, dass dieser Vorrang selbst nur theoretisch konstruiert werden kann, sind wir uns, so glaube ich, einig.
offen sein, um sich beeindrucken zu lassen – dazu gehört eine besondere geistes- und seelenverfassung. um 1900 firmierte sie meines wissens als “impressionabilität”. auf knopfdruck, auf befehl allerdings geht das nicht.
schön, daß es dir gelingt, dich von dem, was dir zufällt, überraschen zu lassen. in der kinderpsychologie – ich weiß das aus eigener erfahrung hinsichtlich der besonderen beobachtungsgabe meines sohnes – nennt man das “reizoffenheit”: er ist offen für jeden reiz, und jeder neue kann den vorherigen ablösen. dabei ist er zugleich zerstreut und aufmerksam. es ist eine art des unkonzentriertseins, bei der die äußeren reize nicht gefiltert, sondern als prinzipiell gleichwertig aufgenommen und erst im nachhinein kategorisiert werden. das gegenteil wäre eine strenge und einseitige, konzentrierte fokusierung auf eine sache oder eine tätigkeit.
ist deine form der entspannten aufmerksamkeit beim fotografieren vielleicht auch eine art der spielerisch herbeigeführten und zugelassenen kindlichkeit?
Was Du beschreibst, klingt sehr interessant. Für ein Kind und seine Umgebung ist ein ungefilterter Reizstrom wahrscheinlich eine beständige, auch anstrengende Herausforderung. Für uns, die Du mal treffend als “Fortysomethings” bezeichnet hast, sieht es anders aus. Vieles, das uns begegnet, sehen wir in diesem zarten Alter nicht zum ersten Mal und manche Erfahrungen, die wir gemacht haben, leben in der einen oder anderen Form in uns weiter. Aber – um beim Bild zu bleiben – gleich wie viele Berge und Wolken ich schon gesehen haben, es ist nicht die Wiederholung des Bekannten, weshalb ich zur Kamera greife. Sondern weil ich in diesem Moment von etwas angesprochen bin, das plötzlich hervortritt. Vielleicht ist es eine umgekehrte Madeleine. Dabei tue ich nicht so naiv, als wäre dieser Vorgang rein spontan und ohne Voraussetzungen. Aber es geht mir um die Orientierung: suche ich das Bekannte darin oder das Neue? Zeigt sich dialektisch das eine durch das andere vermittelt? Oder ist es divergent? Oder…?
Das Faszinierende für mich dabei: wie plötzlich das Bild hervortritt und wie die Kamera es einfängt, um dann ggf. davon oder auch etwas ganz anderes im fertigen Bild zu erzählen.
die konstruktion eines unschuldigen auges, das quasi vorausetzungslos der äußeren wirklichkeit gegenübertritt, ist eine – darin sind wir uns einig – illusion. und doch:
wenn wir von etwas überrascht werden, wenn wir perplex sind, begriffs- oder auch bildstutzig (gibt es das?), dann stehen wir etwas gegenüber, das jenseits unseres bisherigen erwartungs- und erfahrungshorizontes liegt. in gewissem sinne übersteigt es uns. dies zuzulassen, ist, das hast du zu recht betont, eine frage der orientierung, der vor-einstellung, und es kommt, bei mir jedenfalls, einem sich-anheimstellen an die losungen des augenblicks sehr nahe. man könnte es mit einem zeitweiligen stromausfall vergleichen: die gewöhn- und herkömmlichen kontakte sind unterbrochen und etwas neues kann erscheinen. und darin gleicht es der ästhetischen erfahrung, die man in momenten eines besonderen kunstgenusses macht.
schön, sich darüber einmal mit dir zu verständigen, wo wir doch beide, jeder auf seine art, der faszination erlegen sind, bilder einzufangen. halte ich den ball wieder nicht flach genug oder kannst du mir auf dieser “höhe” folgen?
Ich folge und freue mich auf die nächsten Bilder – oder Texte – von Dir.