Dez 14 2007
Weg sein
“Ich war schon immer fasziniert von den Unterschieden zwischen der wirklichen Welt und der vorgestellten Welt. Ich habe immer die vorgestellte Welt vorgezogen. Die Wirklichkeit verletzt dich pausenlos, sie ist ein extrem unerfreulicher Ort. Das ist einer der Gründe, warum ich Filme mache. So kann ich ein ganzes Jahr in meiner Fantasiewelt zubringen.”
Woody Allen im Gespräch mit Anita Blasberg, aus: ZEIT-Magazin Leben vom 13. Dezember 2007, S. 30.
Kunstproduktion als Wirklichkeitsflucht – das ist sicher ein Aspekt. – Der einzige?
Obwohl ich es mir extrem unerfreulich vorstelle, manchmal zumindest, und anstrengend und wenig kontemplativ, Regisseur zu sein. – Wird man da nicht ziemlich mit Wirklichem konfrontiert?
((Aber der Name ist schon hart, oder?: “Anita Blasberg”))
es ist ein aspekt, und für allen scheinbar ein sehr wichtiger. obwohl ich denke, daß auch in seinen filmen wirklichkeit verarbeitet wird: er verhandelt gesellschaftliche und bisweilen sehr persönliche themen im rahmen eines fiktiven spiels. das scheint ihn zum einen vom druck der wirklichkeit, in der es zu handeln gilt, zu entlasten, und zum anderen kann er im medium des films mögliche verhaltensformen und ihre konsequenzen durchspielen. das gilt übrigens auch für andere kunstformen, durch die unser möglichkeitssinn aktiviert wird: filme schauen, bücher lesen, musik hören, theater spielen – im besten falle ermöglichen sie bewegungsspielräume für das denken und die fantasie. vielleicht lese ich das zitat gegen den strich, aber für mich thematisiert es nicht nur die wirklichkeitkeitsflucht durch kunst, sondern auch die in ihr vorherrschende produktive spannung zwischen wirklichkeit und vorstellung. aber vielleicht liege ich mit dieser lesart auch falsch. was meint ihr?
Wohin flieht er denn vor der Wirklichkeit? An einen Ort, an dem manches anders ist, wie und was erfahren wir nicht. Auch was ihn hier im Alltag verletzt, wird nicht klar. Vielleicht ist es die Fluchtbewegung, was ihn daran fasziniert. Die Vorstellung, sich auszuklinken aus der (vor-)herrschenden Realität, zeitweise abzutauchen, könnte die Faszination ausmachen. Allen spricht davon, dass der Aufenthalt in der Fantasiewelt den Ausschlag gibt. Aber da stimme ich Helmut zu, das Filmemachen ist nicht nur ein Zuckerschlecken.
ich bin dann mal weg.
ich wünsche euch festliche tage und einen guten übergang ins neue jahr. herzliche grüße,
uwe.