Jan 10 2008
Mediale und reale Gewalt
Zu diesem häufig diskutierten Thema ist ein Artikel bei Telepolis erschienen. Florian Rötzer stellt eine Studie der University of Calfornia vor:
nach der es so aussieht, als könnte das Betrachten von Kinofilmen mit hoher Gewalt die Gewaltkriminalität senken.
(Telepolis)
Entscheidend dafür:
sei nicht nur der Inhalt der Filme und die “Einsperrung” ins Kino, sondern der damit verbundene geringere Alkohol- und Drogenkonsum und die mit dem Kinobesuch womöglich verbundene Unterbrechung des üblichen Tages- bzw. Abendverlaufes.
(Telepolis)
Eine einleuchtende These mit vielen Implikationen, die eine Alternative zum üblichen Wettstreit von Mimesis oder Katharsis bei der Darstellung von Gewalt präsentiert.
Ist das ernst gemeint?
Den Artikel habe ich noch nicht gelesen – aber DIESE Argmumentation scheint mir zumindest, na, interessant!
Muss mir bei Gelegenheit mal den Artikel ansehen.
Habe den Artikel gelesen – ehrlich gesagt bleibt mir da die Spucke weg. –
Gewalttäter mit Gewaltfilmen im Kino einsperren – erinnern wir uns an “Clockwork Orange”?!
Mir kommt das enorm eingeengt und arg kurzsichtig vor.
Und was ist mit normalen Kinogängern?
Vermehrter Gewaltkonsum, überhaupt: “Gewaltkonsum”!, was macht der mit der schweigenden Mehrheit?
Kann man mit solchen Studien überhaupt zu sinnvollen Aussagen gelangen? Diese könnten sich als ein wenig unterkomplex erweisen.
Ich sehe die Sache nicht so pessimistisch. Das Kino ist auch und vor allem ein Ort, an dem unterschiedliche Menschen aufeinander treffen. Bislang tun sie dies freiwillig, der Kinobesuch ist kein Muss. Für eine bestimmte Zeit verweilt man am selben Ort, zumindest die bloße Anwesenheit von anderen muss man aushalten. Gemeinsam erlebt man etwas, dass auf die Einzelnen unterschiedlich wirkt. Das sind rudimentäre Formen des sozialen Miteinanders, in manchen Augenblicken auch mehr.
Allein beim Saufen oder im Drogenrausch, ist das “Ich” bei sich, allein mit seinen Vorstellungen und Neurosen, die Welt da draußen wird ggf. zum Feind, den man bekämpfen muss. Die (miteinander) geteilte Kinoprojekten lockert u.U. das zwanghafte Eingesperrtsein ins eigene Ich. Allein das wäre schon viel.
Was ist denn die schweigende Mehrheit oder ein “normaler” Kinogänger? Jemand, der sozial unauffällig lebt, weil er nur seine Kinder oder die Frau im trauten Heim schlägt? Jenseits der Polemik ist die Frage, was der Gewaltkonsum – auch durch Nachrichten – anrichtet – eine Frage, die in dem Beitrag nicht beantwortet wird.
Ein oder zwei Gedanken dazu:
Begreift man Gewaltkonsum als Sucht, so verlangt er nach einer Steigerung der Dosis, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Nach allgemeinem Verständnis ist der Süchtige krank, er unterliegt einem Zwang, von dem er sich nur bedingt aus eigener Kraft befreien kann. Der erste Schritt in die andere Richtung wäre das Eingeständnis, dass es so ist. Dazu braucht es etwas Abstand zu sich und seiner Situation. Diese Lücke kann sich im Kino auftun, warum denn nicht? Und weiter: Gewaltkonsum durch Medien wäre meiner Meinung nach ein abstraktes und fremdes Schauspiel, wenn man nicht im Alltag Gewalterfahrungen machen würde.
Wir hatten schon einmal über das Kino als Form sozialen Miteinanders konferiert – ich fand es eine interessante, weil mir nicht naheliegende Idee.
An diesem Beispiel: Kann nicht ebensogut das Gegenteil der Fall sein?! – Wenn jemand isoliert ist, ins Kino geht, vermutlich mit niemandem, den er nicht kennt, spricht, eineinhalb Stunden im Dunkeln sitzend u.a. Gewalt konsumiert und dann wieder rausgeht – wo ist das soziale Miteinander? – Kann man sich danach nicht noch viel einsamer fühlen?
Der normale Kinogänger, nun ja, näher hingesehen gibt es nur Individuen, klar, trotzdem wird in diesem Zusammenhang nicht ganz so unklar gewesen sein, dass die gemeint waren, die nicht durchs Sitzen im Kino davon abgehalten werden, Leute auf der Straße – oder zu Hause – anzugreifen.
Eine der zentralen Fragen ist doch, Du stellst sie: Was macht Gewaltkonsum mit dem Gewaltkonsumenten?
Da scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Aber dieser typisch amerikanische Pragmatismus: Sitzen sie im Kino schlagen sie nicht – ist doch armselig. Was für eine Feststellung!
Die Sache mit der Sucht: Ich weiß nicht ob das in diesem Zusammenhang greift, ich denke eher nicht.
Und auch die Gewalt als abstraktes Schauspiel, wenn man keine tägliche Gewalterfahrung hat, scheint mir nicht ins Zentrum zu treffen.
Auffällig fand ich, dass in der Diskussion immer wieder gesagt wird, dass Jugendliche gar nicht, wie soll man sagen, so empfindungs- oder abstraktionsfähig sind, zu realisieren, was sie dem Gegenüber antun. – Das ist eine Form von Depraviertheit, die man sich ja kaum vorstellen kann oder mag. – Die Gewalt wäre dann eine Form sozialer Verwahrlosung oder einer großen, wesentlichen Sozialisationslücke. – Woher die kommt? – Da ließe sich fröhlich spekulieren. – Und man könnte auch gleich bei den Medien, dem Fernsehen vor allem anfangen zu suchen. Dort wird Gewalt ständig gezeigt – aber es passiert halt nur auf dem Schirm – es folgt nicht wirklich was daraus, es tut keinem wirklich weh.
Auch das Gegenteil von dem, was ich beschrieben habe, kann der Fall sein. Vielleicht schreibe ich mal einen Beitrag zum Thema “Allein im Kino”. Aber ich glaube, dass es unter dem sozialen Aspekt einen Unterschied macht, ob ich ins Kino gehe oder alleine zuhause sitze. Worin dieser Unterschied genau besteht, darüber kann man spekulieren oder eben eigene Erfahrungen mitteilen.
Ist der Anlass, der zuweilen im öffentlichen Raum Gewalt auftreten lässt, nicht manchmal auch armselig? Wer sich auf gefährlichem Terrain in der Großstadt bewegt, erhält oft den Tipp, niemanden direkt anzusehen, schon das könnte als Provokation wirken… Amerikanisch ist es ggf., die Leute einzusperren, noch geht man freiwillig ins Kino. Sucht man dort nur Selbstbestätigung? Dann könnte es doch etwas mit Suchtverhalten zu tun haben. Oder geht es auch um anderes, um Abstand und Distanz zu sich selbst, vielleicht nur für die Dauer der Projektion.
Ich glaube nicht, dass man tägliche Gewalterfahrung braucht, alltägliche schon, damit man mehr als nur eine Vorstellung von Gewalt hat. Insofern erscheint mir diese nicht als Ausdruck von sozialer Verwahrlosung, sondern bestimmte Sozialformen begünstigen Formen von nicht tolerierter Gewalt.
Ein Aspekt scheint mir bei der Diskussion zu wenig beachtet zu werden: Die unterschiedlichen Grenzüberschreitungen beim Ausüben von Gewalt.
In der FR von heute ist ein Interview mit der türkisch-stämmigen Psychologin und Kabarettistin Seril Pak erschienen. Auf die Frage, ob wir ein härteres Jugendstrafrecht brauchen, antwortet sie u.a.:
und weiter:
Mit Blick auf die zuvor angesprochene Grenzüberschreitung: Grenzen zu überschreiten scheint mir ein Merkmal beim Ausüben von Gewalt zu sein. Die Härte gegen den Anderen, der die Gewalt erleidet, ist auch ein Spiegel der Härte gegen sich selbst. Das ist soweit keine neue Erkenntnis. Hier geht es um den Gewaltbereiten, der ins Kino geht. Wo weinen die meisten Männer, auch die Härtesten? – Im Kino, vor der Leinwand.
Grenzüberschreitung – könnte ein produktiver Begriff sein.
Womöglich aber auch Wiederholung oder noch andere.
Härte gegen sich selbst? – Einleuchtender käme mir vor: Von außen erfahrene Härte, die weitergeführt, weitergegeben wird. Gewalttätige sind ja zuvor oft selbst Gewaltopfer. Es kann aber auch strukturell erfahrene Gewalt sein, die sich da ein Opfer, einen Adressaten sucht. Aggression durch Frustration, die alte Formel. – Und der Adressat ist womöglich dann fast egal, wenn man nicht versteht, was da vor sich geht, weil diese Form von Gewalt diffus ist, unpersönlich wirkt.
Wo nimmst Du die Erkenntnis von den im Kino weinenden Haudegen her? Mir ists neu.
Das erste Zitat, dass niemand härter ist als sie selbst, erscheint mir nur als Großsprecherei. Das sagt man um sich Mut zu machen und weil es gut (supercool) klingt – aber ich glaube, wenn man eine Weile im Knast gesessen hat, wird einem das nicht mehr locker über die Lippen kommen. Oder wenn man selbst Opfer von Gewalt war.
“Allein im Kino” – ja, schreib das mal, ich wäre gespannt darauf!
Wiederholung als ein Zentralbegriff leuchtet ein, aber noch ein paar Gedanken zur Härte. Ich glaube, dass die meisten Gewaltanwender im Augenblick der Tat zumindest abstrakt wissen, dass sie eine Grenze überschreiten. Dient die Gewalt der Provokation, ist man sich dessen voll bewusst. Härte als Großsprecherei ist da meiner Meinung nach nicht der Zuckerguß auf dem gedanklichen Einheitsbrei, sondern die Selbststilisierung gibt den notwendigen Kick, um den letzten Schritt zu tun, um die inneren und äußeren Grenzen zu überschreiten. Gleichzeitig hält man sich selbst für den Härtesten, der alles, was einem angetan werden kann, aushält. Vielleicht liegen in dieser Dynamik auch Gründe für den Übergang vom Opfer zum Täter.
Dass Männer vor allem im Kino weinen, hat mir ein befreundeter Journalist bei einer Filmdiskussion erzählt.
Zur letzten Bemerkung: Auf mich triffts nicht zu.
Dem längeren ersten Absatz kann ich folgen.
Wobei es vermutlich die Grenzüberschreitung derjenigen ist, die zu wenige/ keine Grenzen erfahren haben und sich deswegen – in der Gewalt – irgendwie spüren wollen.
Was auffällig und merkwürdig scheint, ist das fehlende Mitleid – bei Tieren gibts eine Beißhemmung, wenn der Gegner unterlegen ist. – Medienkonsum???
Zudem scheint die Miß- oder Verachtung den anderen gegenüber auch etwas mit mangelnder Selbstachtung zu tun zu haben.
Eine andere Frage:
Wird man das willkürliche Ziel einer solchen Attacke – gibt es eine sinnvolle Art, damit umzugehen, ohne wirklich in eine Tätlichkeit zu kommen? – Oder hat man keine Chance?
Mehrere Kommentare dazu:
Das fehlende Mitleid – ich habe es schon öfter gelesen, dass das ein Unterschied zur “Gewalt früherer Tage” ist. Wenn jemand länger am Boden lag, wars vorbei, jetzt gehts weiter. Ob es mit dem Medienkonsum zu tun hat? Ganz plausibel erscheint mir das nicht. In vielen Blockbustern wird viel, aber schnell gestorben. Und wenn in Filmen wie “Kill Bill” Gewalt zelebriert wird, dann nicht um fortgesetztes Leiden zu zeigen. Filme wie Hostel, wo es ausführlichere Folterszenen gibt, werden kontrovers diskutiert. Ich mag solche Filme nicht. Mit der entsprechenden Disposition beim Gucken kann der aufklärerische Aspekt, den der Regisseur reklamiert, auch ausgeblendet werden.
Ob man eine Chance hat, angedrohter Gewalt zu entkommen? Eine gute Frage.
Ich kenne zwei Internetseiten, die sich mit dem Thema “Wie gehe ich mit Situationen um, in denen ich mit Gewalt” konfrontiert bin?” beschäftigen. Schritte gegen Tritte gibt konkrete Tipps, etwa das man keine Waffen einsetzen soll und weitere neun Empfehlungen, was man tun kann. gewaltpaedagogik.de widmet sich allgemeiner dem Thema, dort findet man auch weiterführende Links.
Mangelnde Selbstachtung…Ein möglicher Gedanke dazu…Mit Blick auf Gewalt gegen andere scheint mir dabei das Verhältnis von Eigenbild zum Bild, das ich mir vom anderen mache, wichtig. Es gibt (nicht nur) eine Stelle in “Elemente des Antisemitismus – Grenzen der Aufklärung”, wo das sehr gut formuliert ist:
Das, was man an sich selbst nicht leiden kann, wird auf den Fremden projiziert und dort, ja was, bestraft? Vielleicht. Überzeugend finde ich den Gedanken, dass Wahrnehmung einen projektiven Anteil hat und ein Problem eben darin besteht, dass die Reflexion, die zwischen dem Ich und dem Anderen unterscheidet, ausfällt.
Die Tipps, die es bei Schritte gegen Tritte gibt, könnte man als Versuch ansehen, eine Lücke zum Reflektieren zu eröffnen – auf anderer Ebene. Als Versuch, den Täter mit sich zu konfrontieren und damit selbst aktiv zu werden, also die Opferrolle zeitweise zu verlassen.
Nicht zuletzt glaube ich, dass zuweilen mit dem Ausüben von Gewalt auch eine Faszination verbunden ist, ein Lustgewinn, der vielleicht etwas mit der Unmittelbarkeit zu tun hat, die man dabei erfahren kann. Dass das auf die eigenwillige Binnenperspektive und Verfasstheit des Täters abhebt, braucht wohl nicht erklärt zu werden. Für ihn ist diese Erfahrung real. Realer als moralische Appelle und gute Worte.
Ich glaube, dass (mangelnde oder ausgeprägte) Selbstachtung zentral etwas mit der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung zu tun hat. Das Zitat im vorletzten Kommentar sollte das unterstreichen. Im Kino werden sowohl der reflektierende als auch der naiv schauende Besucher mit Bildern konfrontiert. Diese Bilder sind Fremdbilder, die auf unterschiedliche Art und Weise mit der eigenen Wahrnehmung zusammen spielen. Darin liegt eine Chance, dass das starre Selbstbildnis in der Konfrontation mit den fremden Bildern zeitweise in Bewegung gesetzt wird. Dies kann über die sinnliche oder auch über die intellektuelle Schiene geschehen. Insofern wäre es möglich, dass auch der Gewalttäter im Kino andere Erfahrungen macht als in seinem Alltag.
Ich bin in den letzten Tagen nicht dazu gekommen, zu schreiben – und mittlerweile hat sich eine längere Kommentarreihe ergeben – ich versuche ihr mal näherungsweise gerecht zu werden:
Das Adorno-Zitat gefällt mir, es scheint mir wichtig und wertvoll zu sein – durchaus etwa auch im ganz normalen zwischenmenschlichen Umgang. – Wenn man es sich im Gedächtnis behält, kann man es auch alltagstauglich machen. – Natürlich auch in Anwendung auf einen selbst. Allerdings ist das schwer, denn wenn ich schon meinen Wahrnehmungen nicht ganz trauen kann, kann man auch tendenziell verrückt werden drüber.
Die Formulierung des Zusammenhangs zwischen Selbstachtung und der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung finde ich interessant, aber Fragen habe ich, was die Schlussfolgerung betrifft, dass durchs Kino allzu starre Selbstbildnisse in Bewegung gesetzt werden könnten, denn welche Bilder (von Gewalt(tätern)) präsentiert denn das Kino? – Welche Muster liegen hier zugrunde oder werden unterstützt – und sind das die, die wir für wünschenswert halten wärden? Und: Man müsste fragen, wie der Zusammenhang von Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung und Wirklichkeitswahrnehmung beschaffen ist. – Würden also in Bewegung geratene starre innere Bilder eine sozialverträglichere Fremdwahrnehmung zur Folge haben?
Du hast etwas zum Lustgewinn durch Unmittelbarkeit geschrieben – mir scheint, das verstehe ich nicht ganz.
Was die Hinweise zur Vermeidung von angedrohter oder bevorstehender Gewalt angeht, muss ich mir erstmal die Links ansehen.
Verrückt werden mit Adorno…eine gute Weiterführung des Zitats.
“Würden also in Bewegung geratene starre innere Bilder eine sozialverträglichere Fremdwahrnehmung zur Folge haben?” – Nicht zwangsläufig und vielleicht auch überhaupt nicht, aber immerhin besteht die Möglichkeit.
Du fragst nach den Mustern, die den Kinobildern zugrunde liegen. Eine gute Frage, auf die man noch näher eingehen sollte. Manche Muster, die uns im Kino präsentiert werden, taugen von einem distanzierten Standpunkt aus betrachtet kaum dazu, sozialverträgliches Verhalten zu fördern. Der Kinozuschauer ist, sofern er eine Affinität zur dargestellten Gewalt hat, auch emotional an den Film angebunden. Und ich bin so optimistisch zu glauben, dass durch die Konfrontation oder durch die Affirmation dessen, was auf der Leinwand dargestellt, wird, sich für einen Augenblick eine Lücke im Selbst öffnen kann. Das Adorno-Zitat beschriebt, wie dem Besessenen das Ich und die Welt zusammenfallen, im Kino treten sie für Augenblicke wieder auseinander. Was dann passiert, ist nicht ausgemacht oder vorentschieden.
Lustgewinn durch Unmittelbarkeit – die Tat, der Entschluss, die direkte Aktion, dabei erfährt man sich zuweilen direkter (weil körperlicher?) als im Nachdenken. Ich halte es für möglich, dass der Täter, wenn er Gewalt ausübt, darin eine Unmittelbarkeit erfährt, die er sonst nicht findet. Vielleicht könnte man es auch als eine Form von einer sehr speziellen Gegenwart des Ichs im Augenblick beschreiben. Wenn keine (spezifische) Selbsterfahrung damit verbunden ist, was macht sie dann so attraktiv?
Crazy with Teddy, yeah!
Deinen Optimismus in Ehren, aber ist er nicht eher – Utopie?
Muster: Man könnte den Versuch der handlichen Liste in drei Punkten versuchen? (Vier, fünf?)
Ist Unmittelbarkeit – Ich im Augenblick – per se positiv?
Ich war dieser Tage in einer Videothek:
Spritzen in Augen, Bohrmaschinen in geöffnete Münder, Blut und Wunden in allen denkbaren Varianten.
Gewalt und (Kino-)Film scheinen schon, zumindest in der Publikumsgunst, eine sehr enge Verbindung zu pflegen.
Optimismus – Vielleicht spricht hier der Kinofreund zum Bücherfreund?
Eine Liste mit Mustern – eine gute Idee.
Ist Unmittelbarkeit per se positiv? – Davon war nicht die Rede. Aber es scheint mir eine Sehnsucht nach unmittelbarem Erleben zu geben, die sich auch wie oben beschrieben äußern kann. Es so zu beschreiben, war der Versuch, es zu verstehen, nicht es positiv zu werten.
Die Bohrmaschine im Mund gehört, glaube ich, zu “Hostel” (in einem Kommentar weiter oben bereits erwähnt).
“Hostel”, ja, aber es gäbe eine ganze Menge anderer, auch drastischer Darstellungen, ergo: Das Kino wirbt mit extremer, ja ausgesuchter Gewaltdarstellung. – Da kann man sich schon fragen was los ist und wie das wohl auf den einen oder anderen wirken mag. -
Und: Warum ist das eigentlich so?
Braucht das der Mensch`?
Reagiert er damit Triebe ab – oder …?
Gute Unterhaltung könnte/ kann auch anderes aussehen.
Sehnsucht nach Unmittelbarkeit macht es mir schon deutlicher. Das kann sein. Ist gut vorstellbar in dieser Surrogat-Welt.
Aber auch hier: Warum gerade Gewalt? Gibt es keine anderen Formen von Unmittelbarkeit? (Liebe?)
Zur Muster-Liste:
Einsamer Held (Helden sind immer einsam?!!), der, natürlich gehandicapt, seine Mission erfüllt – wenns drunter nicht getan wird: Die Welt rettet – und sei es noch so unwahrscheinlich.
(James Bond, Rambo etc.)
Steckt dahinter die Sehnsucht, es möge (immer) so sein – und liefert auch gleich ein kleines Ruhekissen: Auch wenn es schon nach 5 vor 12 zu sein scheint, es wird schon gut gehen?
Diese affirmative Phantasie könnte fatale Folgen haben. – Und ist im Grunde ein ziemlich kindisches Muster.