Feb 19 2008
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zum ersten bild: wer hoch sitzt, kann tief fallen. ein sturmschaden hat ihn niedergestreckt, oder? ohne den titel zu kennen könnte man die holzruine mit etwas phantasie auch als ein urzeitliches insekt identifizieren, und dein gewählter standpunkt ließe uns auf augenhöhe aber in beruhigendem abstand zu dem tier verharren.
zum zweiten bild: hogarth läßt grüßen. aber nicht unfalsch. auch er hatte ja die ideale linie in allen gegenständen, von den werken der hochkunst bis zum alltagsding, ausfindig zu machen versucht. es lebe die serpetinata! was läßt einen baumstamm so wachsen? das gesetz der schönheit wohl kaum? toll, wie das von links einfallende licht die geschwungene form des stammes hervorhebt, und toll auch, wie metallisch-grau-violett das licht im hintergrund um die dünneren stämme sich legt. gelungenes foto! auf was für überraschende bilder man doch beim herumstreunen im wald stößt!
Vermutlich der Sturm, ja.
Ich mag die Dinger ja nicht – und teils steht alle paar Meter einer. – Da freuts einen doch, wenn mal wieder einer liegt – und auch noch ein interessantes Bild abgibt. Ein Insekt – dann möchte ich aber den Sicherheitsabstand nicht unterschreiten! – Ich habe bei Jünger mal den Begriff Schindstätte, Schinderhütte oder so ähnlich gelesen – und der fällt mir jetzt jedes Mal ein, wenn ich diese Hochsitze sehe – sie wirken wie altertümliche Kreuzigungs- und Folterstätten.
in meiner jugend, so etwa mit 12 jahren, habe ich in in den feldern nahe meines heimatdorfes solche hochsitze zum einstürzen gebracht. mit meinem freund t. und “bewaffnet” mit einer großen handsäge brachten wir einige kleinere hochstände zum einsturz. flegelalter eben, und eine schweißtreibende arbeit – aber mir gefiel das: etwas zum einstürzen zu bringen, was dazu dient, wehrlose tiere zu töten. leider wurden wir erwischt und angezeigt. es setzte ohrfeigen von meinem vater und er mußte die hochsitze mit seinen freunden wieder aufbauen. das hat mich aber nicht abgeschreckt. noch einige jahre habe ich immer wieder versucht, diese orte des hinterhalts zu beschädigen oder umzustürzen. schindstätte finde ich übrigens einen treffenden ausdruck.
Ein Outing – auch mal erfrischend!
Du wirst Dich bei Verfolgung auf Verjährung berufen können.
Den Impuls kenne ich gut. – Allein, was erreicht man damit? Und natürlich sehen die Herren Jäger das GANZ anders.
Technisch-kriminalistische Frage, aber doch: Wie seid ihr denn erwischt worden?
Und Dein Vater war nicht verständnisinnig?
ein jäger kam des weges und ertappte uns bei der arbeit. nach der moralpredigt dann die personalaufnahme und das heimbringen. mein vater konnte den impuls erst nach mehrmaligem vorbringen unserer argumente verstehen, letztlich wohl als kindlicher übermut und überschwengliche tierliebe. doch ich machte ihm arbeit, mußte ihm und seinen freunden sogar beim wiederaufbau zur hand gehen, was doppelt öde und mißlich war. was erreicht man? wenigstens eine verstimmung bei dem verantwortlichen jäger, und für einen selbst so was wie aggressionsabfuhr. und es krachte so herrlich.
Ja gut – auf frischer Tat erwischt zu werden, das ist freilich eindeutig, da gibts wenig Ausflüchte.