Apr 13 2008

Gefunden

Published by at 5:36 pm under sur l'eau

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9 responses so far

9 Responses to “Gefunden”

  1. uwe sagt:

    schöne ergänzung zu meinem foto.
    der standpunkt ist nicht frontal, sondern etwas erhöht und noch dazu seitlich verschoben. während bei mir die fensterscheibe zur fläche für die erscheinung einer bildähnlichen spiegelung wird, gewährt dieses fenster hier eher einen einblick in das dahinter liegende zimmer und seine einrichtungsgegenstände. während bei meinem foto die glasscheibe zum bild von etwas anderem, dem landschaftlichen außenraum nämlich, wird, gibt sie hier den blick frei auf einen innenraum und die einrichtungsgeschmacklichen vorlieben seines bewohners oder seiner bewohnerin. die leuchtende bär-lampe kam mir dabei vor wie der hüter oder wächter der schwelle, die den außen- vom innenraum trennt. doch was sind die schwarzen formen, die seinem kopf zu entsteigen scheinen? eine formale und inhaltliche leerstelle auf dem foto, die einen rätseln läßt oder kannst du für aufklärung sorgen?

  2. Helmut sagt:

    Gut beschrieben, das Bild habe ich allerdings schon vor einiger Zeit gemacht, nicht als Reaktion auf Dein Fenster-Bild; das ist ein zufälliger Koinzidenz. Und es ist, wie Du ja beschrieben hast, auch unterschiedlich: Der Blick geht hinein.
    Allerdings kann ich nicht sagen, was die dunklen Formen sind. Es war schon fast dunkel und mir fiel der leuchtende Bär auf und ich wollte nicht zu genau reinsehen, habe nur schnell das Bild gemacht. Bei Gelegenheit vielleicht?… Aufgenommen habe ich es im Odenwald, wenn ich wieder dort bin…

  3. uwe sagt:

    zum ersten hatte ich mich ja schon geäußert. die anderen fundstückfotos sind für mich variationen über das thema: lost and found. vornehmlich in der natur oder landschaft weggeworfene oder verlorene dinge, die sich auf einem foto im netz wiederfinden und dabei zu zeichenträgern werden. an vielem geht man achtlos vorbei, nimmt man es dagegen auf und hält es im bild fest, stimulieren solche aufnahmen – gerade und vor allem wegen des auffälligen kontrastes zwischen fundstück und -ort – unsere interpretatorischen fähigkeiten resp. lüste. der hut läßt nach seinem träger oder dem vermeintlich unter ihm verborgenen gesicht fragen, der baumstumpf mit der “kopf”-büchse gerät in meiner betrachterphantasie zu einer elegant geschwungenen figurine, die verdreckte spritze weckt ungute krankheitsassoziationen, und der knochen erinnert an das, was von lebewesen dermaleinst übrig bleiben wird …
    bilder sprechen – aber nur, wenn wir sie sehen.
    was reizt dich an diesen fundstück-fotos?

  4. wolf-dieter sagt:

    In dieser Reihung ergeben die Bilder eine schöne Bildergeschichte, deren Zusammenhang assoziativ hergestellt werden kann, aber auch nicht muss. Man kann auch jedes Bild einfach nur für sich betrachten – Fundstücke eben.

  5. Helmut sagt:

    Dem was Du geschrieben hast, stimme ich vollkommen zu.
    Es ist das Skurrile dieser Sachen an diesem Ort, das Unerwartete, Willkürliche – und, wie Wolf schon geschrieben hat, dass sich daraus doch ganz selbstverständlich etwas, beinah eine (Assoziations-) Geschichte ergibt.
    Der Reiz dieser objet trouvé liegt in der Konkretheit des Zufälligen, auch das Quasi-Dokumentarische ist spannend. – Wie kommt der Hut dahin, wurde er verloren, weggeworfen, vergessen? Wie war der Besitzer?
    Die Spritze: Sah mir nach einer Tierarzt-Antibiotikaspritze aus. – Was halt so auf deutschen Äckern landet. Das Foto ist dann auch ein Stück Kritik.
    Dann eben auch der Umstand, dass Knochen und Plastik, das Neue und das Alte sich findet. Warum liegt ein Schulterblatt an einem Spazierweg – und dann noch ein Stock drauf. – Ein Hund?
    An dem Bild vom Baum mit Topf hat mir auch gefallen, dass sich der Schatten auf dem anderen Baum findet.

  6. wolf-dieter sagt:

    Was mir auch gefällt: Die Konkretheit des Zufälligen und dadurch oder damit oder auch darin kann sich eine Phantasie im Material entfalten. Die Assoziationen sind nicht vollkommen freischwebend, sondern ans Material rückgebunden. Das gefällt mir, bei manchen Kunstwerken habe ich zuweilen den Eindruck, dass man alles oder nichts damit verbinden kann, ganz wie die persönliche Gemütslage und nicht das Material des Werkes es will.

  7. Helmut sagt:

    Verstehe ich gut.
    Die Kritik der Beliebigkeit manches Kunstwerks teile ich. Es muss sich mitteilen – und nicht einen Theorieblock nötig machen, um es, vielleicht, zu verstehen.
    Und da kann das Material durchaus etwas alternatives liefern.
    Auf der anderen Seite: Man muss ja gar nicht so hoch greifen. Diese Fotos treten ja nicht mit einem Kunstanspruch, es sind zufällige Fundstücke – und siehe da: Es ergibt sich etwas, die Gegenstände haben Konnotationen, wir assoziieren.

  8. uwe sagt:

    Die fotografierten Fundstücke erzählen doch nur deshalb etwas, weil wir sie weitgehend zweckfrei betrachten, d.h. ihnen gegenüber einen im weiteren Sinne ästhetischen oder kontemplativen Standpunkt einnehmen. Wir könnten sie, anstatt sie zu fotografieren und zum Gegenstand einer Reflexion zu machen, ja auch aufheben, sie als Müll entsorgen, die Natur bereinigen. In dem Fall wäre es Abfall und würde uns anderes zu sagen aufnötigen, wenn überhaupt. Als Fundstücke mögen sie zufällig entdeckt werden, doch im Foto treten sie gleichsam aus ihrer Anonymität heraus und werden zu Trägern möglicher Bedeutungen ud Assoziationen. Dieser Effekt tritt ein, weil wir im Foto etwas anschauen, was auch hätte übersehen werden können: Die Anschauung wird möglich durch ein Stehenbleiben und dem Auslösen der Kamera – dadurch erst entsteht der Bezug zwischen uns und den Fundstücken. Es ist ein Akt der Be-Deutung eines alltäglichen Gegenstandes und insofern eine evokative Leistung: von dir, indem du das Foto machst, von uns, indem wir über das, was uns das Foto sagt, schreiben. Deine Fotos treten nicht mit einem Kunstanspruch auf, doch das Verfahren, was mit ihnen verwirklicht sowie die gedankliche und anschauliche “Arbeit”, die uns duch sie ermöglicht wird, gleicht dem, was sonst Kunstwerke bei ihren Betrachern auslösen können. So sehe ich das jedenfalls.

  9. Helmut sagt:

    Die These, dass alles Kunst sei oder doch sein könne, gibt es schon eine Weile. Es kommt auf den Blick an.
    Sicher, man könnte vorbeigehen, könnte übersehen, die Nase rümpfen, was immer.- Kann auch nach dem Fotografieren entsorgen, wie auch immer.
    Ob Kunst oder Müll, das ist letztlich ein gradueller Unterschied. Es kommt auf den Betrachter an.
    Aber vielleicht kommt es auch nicht wesentlich darauf an, ob man nun etwas `Kunst`nennt oder nicht – sondern ob uns etwas zu sagen hat, ob es etwas in uns auslöst, Bilder, Geschichten, Assoziationen. – (Und wenn das so ist, kann man sich entscheiden, wie man es nennen will, Kunst oder anders)
    Ich kann Dir also zustimmen.
    Andererseits ist Be-Deutung für den ersten Schritt schon fast ein wenig viel, denn zunächst fällt mir einfach etwas auaf und ich halte es fest, das funktioniert noch ohne bewusste Zuweisungen. Eine Plastikspritze auf einem Acker, auf dem Nahrung wächst. Da gehört sie nicht hin. Aber es geht dann natürlich sehr schnell, dass man etwas assoziiert und mit Bedeutung behaftet. In diesem Fall mit einer kritischen.
    Das ist ein Einzelbild, dann kommt aber ja noch die Kombination, die Reihe der zufällig aufgefallenen Dinge dazu.

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