Mai 05 2008
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Ungut, finster, abseits, fast bedrohlich, KZ-Assoziation.
Gesteigert vielleicht noch durch die Ahnung von rotem Horizont links oben?
Mit Wagen sähe es (vermutlich) gleich anders aus.
Aber ein heimeliger Ort würde es dennoch nicht.
Wer baut solche Orte – und beleuchtet sie auf diese Art?
Die Finsternis gibt es in dieser Form nur auf dem Foto, das Licht der Lampen ist vor Ort heller und man sieht den Platz und das Gebäude dahinter deutlicher. Ich war zunächst enttäuscht, als ich das Foto sah. Dann gefielen mir das grüne Licht, die drei senkrecht stehenden Lampenmasten mit ihrem Restweiß und den Schatten sowie das sie rahmende Tiefschwarz. Das Rot kommt von einem Auto auf der Autobahn. Durch die Verpixelung, die man auf dem großen Bild sieht, wirkt es wie ein Gemälde, also noch abstrakter.
Ein Nachtstück, ja, aber ungute Assos bekam ich nicht. Eine unbestimmte, vage Licht- und Platzsituation, die für mich aber nicht eine unheimliche Wirkung ausstrahlt. Ich war fasziniert von dem beherrschenden Schwarz, das von den grün-grauen Lichtinseln, welche die Laternen bilden, aufgelockert wird. Gegenständliches wird in diesen Spots sichtbar, doch für meine Betachtererfahrung war dies nicht wesentlich, vielmehr das spannungsvolle Verhältnis der hellen und dunklen, fast opaken Stellen. Mich sprach also die vage Beleuchtungssituation an: Was beleuchtet wird, kam mir dabei gar nicht so beherrschend in den Sinn, eher wie das Licht den Platz, den Raum interpretiert und zu einer Bühne werden lässt für das Auf- und Abtauchen von Farben und Formen.
Mir ging es auch bei der Aufnahme um das Licht und um den Bogen, den der Parkplatz beschreibt. Dass es auf dem Foto ein anderes Licht ist als am Ort fand ich erst schade, dann gefiel mir das Bild.
Weiß nicht ob ich es beruhigend oder irritierend finden soll, ich habe es noch ein paarmal probiert, aber wenn ich das Bild sehe, denke ich: KZ.
Wenn das die Assoziation ist, die sich bei dir einstellt, wird es sich davon auch nicht lösen lassen. Ich kenne es auch, dass manche Gedanken zu einem Bild sich spontan mit einer Vorstellung oder Erinnerung verbinden und davon auch nicht mehr los kommen. Zumal “KZ” sofort weitere Assoziationen und Wissensbereiche anspricht. Uwe schrieb vom Auf- und Abtauchen der Farben und Formen, “KZ” unterbricht dieses Spiel, indem es eine Grenze markiert.
Stimmt. An Farbenspiele dachte ich nicht bzw. ich war wohl kaum noch offen dafür.
Ein interessantes Phänomen, das wir hier besprechen: Wie die Bilder bzw. Gedanken in unserem Kopf, die durch eine äußere Anregung hervorgerufen werden, unsere Wahrnehmung bestimmen, in eine Richtung zwingen, die zu verlassen kaum möglich ist. Man könnte fast von einer Okkupation sprechen. Ein Beispiel mehr, dass es den unbefangenen, “unschuldigen” Blick nicht gibt und wir letztlich auf unsere Sprache verwiesen werden, um uns über das zu verständigen, was jeder für sich sieht oder erkennt. Aber auch da gibt es Leerstellen, und Fehldeutungen und Missverständnisse sind nicht auszuschließen.
Unschuld ist aus.
Yeah.