Mai 16 2008

Pfützen

Published by at 11:50 am under sur l'eau

In den Pfützen liegt der blauweiße Himmel, der Wind bewegt das Wasser leicht an ihren Rändern. Ein Schritt nach vorn und man steht mittendrin, im Himmel, und die Wolken scheinen durch einen hindurchzuziehen. Pfützen öffnen den Boden. Bilden spiegelnde Löcher. Lassen das Oben unten erscheinen. Man blickt in Abgründe, in kleine Unterwasserwelten, die den Forschergeist in uns wecken. Oder genießt die bewegte Oberfläche mit ihren Lichtreflexen und sonstigen Spiegelungen. Sie fordern auf, hineinzutreten, zu springen, das Wasser spritzen zu lassen, was Kinder gerne tun. Oder man umgeht sie, aus Angst vor der Nässe und dem Dreck. Lässt sie achtlos liegen, weicht ihnen aus oder überspringt sie lässig. Egal wie, man nimmt sie wahr, ob nun als Ärgernis oder als willkommene Anregung zu einer veränderten Wahrnehmung, und manchmal auch als eine Einladung zum kindlichen Spiel, das kurzzeitig die Erwachsenenwelt zu irritieren vermag.

4 responses so far

4 Responses to “Pfützen”

  1. wolf-dieter sagt:

    Zuweilen sind sie auch ein Rückzugsgebiet, der letzte Ort, an dem sich das Wasser noch hält oder sind sie die Vorboten des nächsten Regens, der da kommen wird?

  2. Helmut sagt:

    Pfützen sind Überbleibsel, Relikte des letzten Gewitters vielleicht.
    Sie sind geschrumpfte Meere, Seen, Teiche, Tümpel – schon halb auf dem Weg zur Trockenheit, sind es aber eben noch nicht. Sie sind Zeit-abhängiger, vergänglicher. Sie sind beginnende Ursuppe, sobald sie etwas mehr Zeit haben, wo Wasser ist ist Leben, das geht ganz schnell: Käfer, Kaulquappen (schon der Name ist wässrig), Wasserläufer, Vögel trinken daraus oder baden darin. Natürlich mögen Kinder Pfützen und springen gerne rein – warum eigentlich? Und im Winter gefrieren sie zu Lufteis und geben bizarre Muster.
    Als Kinder gingen wir mit meiner Mutter einmal in die Stadt, sie beschwerte sich penetrant, dass mein Bruder seine Hände nicht gewaschen hätte. (Wo wir hingingen, hab ich vergessen) Bis er so sauer und genervt war, einige Meter zurückging und in der nächstbesten Pfütze seine Hände wusch.
    Keine schlechte Reaktion, finde ich. Ziemlich pragmatisch. Frech und angepasst zugleich. – Freilich gar nicht im Sinne unserer Mutter.

  3. Helmut sagt:

    Well – äh – zu einer Pfützsosophie haben wir es nu nicht gebracht. Man könnte eine schreiben, sich eine ausdenken, im Augenblick hats mich dazu aber nicht gedrängt. [Auch kam mir in letzter Zeit das Wörtchen fasziniert zu häufig vor. - Ich bin gar nicht so oft fasziniert. Bei mir kommt das seltener vor.]

  4. uwe sagt:

    Wieso, wir haben doch schon einiges hier und an anderen Stellen zusammengetragen, an Gedanken, Beobachtungen und Betrachtungen über Pfützen, spiegelnde Wasseroberflächen und dergleichen. Es muss ja nicht systematisiert werden. Eine lose Folge von Einträgen kann dem Thema doch auch entsprechen.
    Interessant fand ich deine Beobachtung über die Vergänglichkeit der Pfützen. Daran hatte ich so noch nicht gedacht, aber es ist ein Wesensmerkmal der Pfütze, dass sie dermaleinst versickert oder verdunstet, also verschwunden sein wird. Und so vermittelt auch sie ein Gefühl für die verrinnende Zeit.
    Warum Kinder so gerne hineinspringen? Reiner, unschuldiger Übermut, wie ich hoffe, und die Lust am Wasser und wie es fleckt, nässt, sich verteilt in vielen kleinen Spritzern, auf der Kleidung, dem Boden oder sonstwo. Oder auch die Lust an der Regelverletzung, gerne würde ich auch das glauben. Mein Sohn jedenfalls lässt keine aus, vor allem nicht jene, mit denen er meine Hosenbeine benetzen kann. Was da aus ihm ausbricht ist Freude und der Kitzel, mich zu reizen, herauszufordern, das übliche Machtgefälle umzukehren, für den Augenblick.
    Mir gefallen Pfützen wegen ihrer unregelmäßigen Form und wie die Oberfläche die Umgebung spiegelt und etwas verändert wiedergibt. Für mich sind es Oberflächen, die den Boden öffnen. Ich verstehe sie unter anderem wie Leinwände, auf denen sich ein optisches Phänomen abspielt. Ich habe also eine ästhetische Einstellung ihnen gegenüber, nutze sie als Bereicherung meiner Wahrnehmung und auch als Projektionsfläche.
    Der Klammersatz zu dem Wort “fasziniert” hat sich mir nicht ganz erschlossen.

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