Jun 28 2010
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Die drei Bilder könnten aus einem Film stammen. Sie wirken wie extrahiert aus einer langen Sequenz. Der Blick des Beobachters geht aus dem Zugfenster aufs Meer hinaus. Ohne ein konkretes Ziel, das er fixiert, wandert der Blick über die leicht bewegte Oberfläche des Meeres. Am Horizont taucht etwas auf. Eine Boje, ein Boot, ein Schiff? Es wird nicht fixiert, nicht scharf gestellt, es gleitet vorüber.
Auch die Mauer im Vordergrund des Bildes wird nur unscharf erfasst. Wichtig ist nicht ihre konkrete Beschaffenheit, sondern die parallele Linie, die sie mit dem Horizont bildet. Dadurch wirken die Bildelemente Mauer – Meer – Himmel wie übereinander geschichtet. Durch die senkrechte stehenden Masten auf den ersten beiden Bildern gewinnt das Bild wieder an Tiefe. Der Raum, der durch die Parallelführung der Linien zu verschwinden droht, wird wieder erfahrbar. Auch sie ziehen vorbei, und der Blick wandert wieder aufs Meer hinaus. Das Meer und der Himmel scheinen sich in der Ferne zu berühren, ohne sich aufzulösen.
lieber w-d,
du hast die wesentlichen elemente, die mich an den fotos interessierten erfasst und präzise beschrieben: die horizontalität, wodurch der bildraum eher über- als hintereinander geschichtet erscheint; die verwischung der motive durch die bewegung, wodurch auch eine zeiterfahrung möglich wird; die vertikalen masten, die zumindest den vagen eindruck von tiefenräumlichkeit entstehen lassen; die reduktion von mauer-meer-himmel zu horizontalen farbfeldern … es ist wie eine versuchsanordnung: ich sitze in einem abteil, halte die kamera dicht ans fenster, drücke in unregelmäßigen zeitabständen ab und schaue dann, welchen augenblick die kamera aus dem fluss der vorüberziehenden bilder festgehalten hat. der zufall, das nicht-willkürliche oder besser: das nicht-interessegeleitete fungiert hierbei gewissermaßen als geburtshelfer.
Die Bilder zeugen für mich auch von einer entspannten Aufmerksamkeit. Ein Sehen, das nicht(s) fixiert, sondern aufnimmt und neu kombiniert, was sich ihm darbietet. Das Ich tritt zurück ohne ganz zu verschwinden.
Ein interessanter Beitrag zum Thema Zeit und Bild: Vom verrückten Traum, die Zeit anzuhalten (bei kwerfledein.de).
Interessant finde ich die Vorstellung, die Zeit anzuhalten. Eine Idee, die mir eher fremd ist.
deinem dritten beitrag kann ich nur zustimmen.
leider ist mein browser veraltet, so dass ich die seite, die du in deinem vierten beitrag nennst, nicht aufrufen kann. ich werde den browser aktualisieren.
die zeit anhalten – macht das nicht jedes foto? es fixiert (zumindest bildlich), was sonst im fluss der augenblicke verschwindet. ein wirkliches anhalten ist das zwar nicht, aber man könnte es als das einfrieren eines bestimmten augenbicks in der linear fortschreitenden zeit verstehen. viele meiner fotos versuchen ja das unwiederbringliche eines momentes festzuhalten, und zwar nicht eines außergewöhnlichen, sondern eines eher beiläufigen, banalen.